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Eine Sammlung von Bildern, Filmen und Texten zur Geschichte von New York City. Über Hochhäuser, Straßen, Bahnen, Inseln und Menschen. Für Anregungen und Kommentare bin ich jederzeit dankbar. Gruß vom Schädel.
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  • 02/05/17--11:52: Mr Trump and Mr Spicer
  • Ob man will oder nicht, in den letzten zwei Wochen kann man dem Herrn mit Wohnsitz an der Fifth Avenue irgendwie kaum entgehen. Wer der Mittelpunkt des Universums ist, der hat auch das Recht, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sein Vorgänger war bei weitem nicht so (hyper)aktiv, dass man ständig das Bedürfnis hat, in die Nachrichten zu schauen, ob der neue Präsident schon wieder Schlagzeilen gemacht hat. 





    Um einen nicht repräsentativen Eindruck davon zu gewinnen, wie die New Yorker über das Handeln ihres berühmten Mitbürgers denken, bietet sich eine Fernsehshow an, die der Fernsehsender NBC in New York City produziert. 





    Ihren Humor haben die New Yorker jedenfalls noch nicht verloren. Mal schauen wie es weitergeht, ehrlich gesagt habe ich im Moment gar nicht so das Bedürfnis, dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird. 





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  • 02/05/17--12:49: Rockenfeld Relief


  • Was hat ein verschwundenes Dorf in der Westerwald-Region zwischen Rhein und A 3, nördlich von Neuwied mit New York City zu tun?

    Ganz einfach, die Bewohner des ehemaligen Dorfes Rockenfeld waren Rockenfelder. Im plattdeutschen Dialekt sagte man aber nicht Rockenfelder, sondern Rockefeller und jetzt dürfte jedem klar sein, wie die Verbindung zu New York zustande kommt. 

    Ich habe zu Beginn dieses Jahrzehnts das eine oder andere Mal über Rockenfeld berichtet:
    http://nygeschichte.blogspot.de/2010/11/rockenfeld.html
    http://nygeschichte.blogspot.de/2010/12/rockenfeld-2.html
    http://nygeschichte.blogspot.de/2011/01/rockenfeld-rockefeller-nachschlag.html


    Sebastian aus Neuwied hat mir vor ein paar Tagen eine Luftaufnahme von dem Gebiet geschickt. Wer sich mit Archäologie beschäftigt, weiß, dass Luftbilder oftmals Aufschluss über ehemalige Besiedelungen geben, dass Siedlungen Spuren in der Landschaft hinterlassen, die man am Boden unter Umständen gar nicht wahrnimmt, die vom Flugzeug aus oder auf Satellitenbildern aber zu erkennen sind. 

    Und solche Spuren hat auch das vor über 45 Jahren verschwundene Dorf Rockenfeld hinterlassen. Ich hatte in meinem Ursprungsbeitrag den Bildausschnitt wohl falsch gewählt, Sebastian hat mir jetzt einen geschickt, der die richtige Position zeigt, an der das Dorf einst stand. Vielen Dank dafür, Sebastian.

    Er schreibt: 

    Anbei ein Bild mit exakter Lage vom ehem. Rockenfeld. Zu erkennen sind die Reliefs im Boden und der unregelmäßige Baumbewuchs. Du musst also noch etwas nach oben links gehen. Deine erkannten Unregelmäßigkeiten waren aber in der Tat auch Felder und sind jetzt bewaldet worden. 




    Wer Interesse hat, noch mehr über Rockenfeld zu erfahren, dem empfehle ich die folgenden Links.
    http://www.neuwied-feldkirchen.net/rockenfeld/historie/rockenfeld_historie.html
    http://www.neuwied-feldkirchen.net/rockenfeld/1969feuer/rockenfeld1969.html


    Irgendwann ist das Dorf auch mal als H0-Modellbau gefertigt worden, die Fotos vermitteln einen guten Eindruck davon, wie Rockenfeld mal ausgesehen hat. 
    http://www.stummiforum.de/viewtopic.php?t=50628&start=550























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  • 02/12/17--09:57: The Plaza (Hotel)


  • Nach dem ganzen Kummer über die ständigen Neuigkeiten aus Washington D.C. ist es mal an der Zeit, zu den Kerninhalten des Blogs zurückzukehren, nämlich die Beschreibung der Geschichte von New York City in all ihren Facetten. 

    Da kam es mir ganz gelegen, dass einer der alten Weggefährten, nämlich Andy Frieder, sich mit einem Themenvorschlag gemeldet hat, den ich dankbar aufgreifen möchte. Auch wenn der uns schon wieder an die Fifth Avenue führt. Aber was kann die Fifth Avenue für ihre Bewohner? 

    "Das Plaza in New York" verbindet vermutlich jeder mit einer exklusiven und teuren Hotelunterbringung in der Hudson-Metropole. Aber wie hat sich das entwickelt? Heute verbinden wir mit "The Plaza" vor allem jenes klassische Hochhaus, das seit Oktober 1907, also seit 109 Jahren an der Südostecke des Central Parks und in Steinwurfweite von der Kreuzung 59th Street / Fifth Avenue entfernt zu finden ist. 



    Vorher stand an dieser Stelle bereits ein Vorgang, ebenfalls "The Plaza" genannt, das 1890 errichtet und 1905 wieder abgerissen worden war. Und dieses Hotel hatte einen weiteren Vorgänger, der sich "Fifth Avenue Plaza Hotel" nannte. Und das wollen wir uns jetzt mal anschauen, wie das so war in der Vergangenheit dieses Grundstücks an der Südostecke des Central Parks. 

    Ich spring als erstes mal ganz weit zurück in die Vergangenheit, bis ins Jahr 1836, weil ich von dort eine hochauflösende, vergleichende und sehr praktische historische Karte bei Smithsonian.com greifbar habe. Damals vor 180 Jahren war die Mitte von Manhattan noch keine Stadt, sondern allenfalls spärlich mit Bauernhöfen oder kleinen Dörfern besiedelt. Erst die großen Einwanderungswellen ab Mitte des 19. Jahrhunderts spülten dann soviel neue Bewohner ins Land, dass die Stadt New York immer mehr Bewohner bekam und die Stadtgrenze zugleich immer weiter nach Norden wanderte. 



    Eins fällt schon mal direkt auf. 1836 war der Central Park, der heute immer einen praktischen Orientierungspunkt im gleichförmigen Straßennetz darstellt, noch nicht vorhanden. Der wurde nämlich erst in den Jahren 1859 bis 1873 angelegt. "The Grid", das Straßennetz von New York gab es 1836 schon, denn "The Commissioner's Plan" stammte bereits aus dem Jahr 1811. 

    Was man aber erkennen kann, ist das die Topographie im Bereich des heutigen Central Parks etwas ausgeprägter war und mehr Hügel und Täler aufwies als bereits besiedelte Teile der Insel. Ein nützlicher Bestandteil der Karte ist die Möglichkeit, ein aktuelles Luftbild über die alte Karte zu legen (oder andersrum die alte Karte über das Luftbild) und sich so zu orientieren. 



    Kommen wir jetzt mal zum Kern des Beitrags, nämlich der Ecke 59th Street / Fifth Avenue, die 1836 auch noch nicht besiedelt, aber von den vorausschauenden Stadtplanern schon geplant war. Ich fahr mal etwas näher an die interessante Ecke heran und gleichzeitig tief in die Vergangenheit der Stadt New York hinein, so wie man sie vor 180 Jahren erlebt hat. 



    Links im Bild habe ich die 57th Street markiert, darüber eine X-förmige Straßenkreuzung. Dort, wo sich das X kreuzt, findet man heute den "Columbus Circle", also den Schnittpunkt von 57th Street, 8th Avenue und Broadway, zugleich auch die Südwestecke des Central Parks. Darunter sieht man noch einen "Platz", den "Bloomingdale Square", einen Ort, der schon lange aus den Karten von New York City verschwunden scheint und von dem ich auch sonst keine Abbildungen auftreiben konnte. Vielleicht war das mal eine Art Marktplatz für die Menschen, die in der Umgebung wohnten und ihre Farmen hatten. 



    Rechts auf der Karte oben sieht man eine Bahnlinie in grober Nord-Südrichtung, die "Harlem Rail Road", die bereits dort verläuft, wo auch heute noch die Eisenbahnen durch Manhattan fahren, nämlich unter der Park Avenue, heutzutage aber nicht mehr offen, sondern unterirdisch. 



    Rechts der Bahnlinie sieht man einen weiteren alten (Markt?)Platz, den Hamilton Square, der südlich einer Kirche (Episcopal Church) angelegt war. Links von der Bahnlinie verläuft parallel zu den Gleisen die "Middle Road" und die ist von Bedeutung, denn hierbei handelt es sich um jene Straße, die heute Fifth Avenue heißt. 

    Bei genauer Betrachtung des Kartenwerks komme ich zu dem Ergebnis, dass das Grundstück, auf dem später die Vorläufer des Plazas gebaut wurden, 1836 noch nicht bebaut war. 




    Von 1836 mache ich jetzt mal einen großen Schritt von 43 Jahren in die Zukunft zum Bromley Stadtatlas von 1879. 



    Wir erinnern uns, der Central Park wurde 1873 fertiggestellt, war also schon vorhanden, als die Daten für dieses Kartenwerk erhoben wurden. 


    Was kann man hier sehen? Die Grundstücke an der Südostecke des Central Parks sind bereits ordentlich in Parzellen eingeteilt, aber 1879 noch eher spärlich bebaut. Zwischen Sixth Avenue links unten und Fifth Avenue rechts  sind nur wenige Parzellen bebaut (Gebäude rosa eingefärbt). Für Hochbahnfreunde noch interessant: links unten im Bild sieht man auch die Endstation der Sixth Avenue Elevated Railway und den Wendepunkt, ab dem die Züge unweigerlich nur noch wieder gen Süden fahren konnten, weil die 59th Street und die Südgrenze des Central Parks dem damals hochmodernen Verkehrsmittel eine Grenze setzten. 

    Ein Hotel war an der entscheidenden Stelle offenkundig noch nicht errichtet und vermutlich stand dort bislang entweder noch gar kein oder kein bedeutendes Gebäude, denn sonst wäre es eingezeichnet worden. Was man aber bereits gut erkennen kann, ist das "Grand Army Plaza", also jener große Platz, der sich von der 58th Street im Süden bis hinauf zur 60th Street erstreckt und in der Mitte durch die 59th Street geteilt wird. Dieser Platz, sprich Plaza war der Namensgeber für die Hotels, die an dieser exponierten Position errichtet werden sollten. 

    google maps


    Diesen Platz wollen wir uns noch mal kurz im Google Street View ansehen, Zuerst stellen wir uns im Südosten an die Ecke Fifth Avenue / 58th Street, Blickrichtung nach Norden:



    In der linken Bildmitte befindet sich der südliche Teil der Plaza, umrandet von Bäumen. Links im Hintergrund die helle Fassade des "The Plaza". Rechts im Hintergrund die dunkle Fassade des "The Sherry-Netherland", ebenfalls ein Hotel. Davor am rechten Bildrand der Glaswürfel, der oberirdische Teil des ansonsten unterirdisch gelegenen Apple-Stores, in den sich sicherlich der eine oder andere bereits im Anschluss an den Besuch des Central Parks verirrt hat. 

    Als nächstes gehen wir die Fifth Avenue hinauf bis zur 60th Street und blicken nun nach Süden hinunter. 



    Hier erstreckt sich die Plaza von der Bildmitte nach rechts, der nördliche Teil ist allerdings nicht so üppig mit Pflanzen ausgestattet wie der südliche. Das Hotel "The Plaza" ist jetzt gut in rechten Bildhintergrund zu erkennen.

    Ich kehre jetzt zur Vergangenheit zurück und zu der Karte, die mir Andy Frieder geschickt hat. Nämlich eine Ansicht von Manhattan aus dem Jahr 1885. 



    Und dort ist an entscheidender Stelle jetzt ein Hotel eingezeichnet: das "Fifth Avenue Plaza Hotel". 



    Wann genau das gebaut worden ist, konnte ich nicht herausfinden, aber soviel steht fest: es ist nach 1879, aber vermutlich vor 1885 entstanden und wurde 1890 bereits durch das erste "The Plaza" ersetzt. 

    Das "Fifth Avenue Plaza Hotel" hat also nur für wenige Jahre, wahrscheinlich weniger als 10 Jahre, die Südostecke des Central Parks mit seiner Präsenz bereichert. Das dürfte auch der Grund sein, warum ich keine belastbare Abbildung von diesem Gebäude gefunden habe, obwohl ich gefühlt unzählige Photographien gesichtet habe. 

    OK, es gibt da noch diese Photographie hier, die auf 1886 datiert wurde:

     5th Avenue and 59th Street, 1886, from the collection of the museum of the city of New York


    Da das hier photographierte Gebäude mit dem ersten Plaza, zu dem wir im Anschluss kommen, identisch ist, gibt es zwei Möglichkeiten: 

    1) Die Zeitangaben zu den Photographien in der Sammlung des Museums der Stadt New York sind bei weitem nicht immer zuverlässig. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass sich auch in diesem Fall mal wieder jemand in der Zeit vergriffen hat. 

    2) Das erste "The Plaza" war kein Neubau, sondern nur eine Umbenennung des bereits vorhandenen "Fifth Avenue Plaza Hotels". Dem steht allerdings die an verschiedenen Stellen nachzulesene Chronologie des Plaza-Hotels entgegen, wonach das erste Plaza 1890 gebaut und eröffnet wurde. 

    Dafür könnte sprechen, dass der Grundriss des Fifth Avenue Plaza Hotels und der des ersten "The Plaza" bis auf einen Anbau im Innenhof ziemlich identisch sind, wie der nachfolgende Vergleich der 1885er-Karte mit dem Bromley Atlas von 1891 zeigt: 




    Solange aber keine vernünftigen Bildbeweise vorliegen, neige ich zu der Annahme, dass wir das Fifth Avenue Plaza Hotel noch nicht gesehen haben. 

    +++ Die Informationen fließen nicht immer chronologisch in die Hände des Autoren. Erst kurz vor Fertigstellung des Beitrags habe ich doch noch Informationen über die Entstehung des Plazas gefunden. Da sie von der Webseite des Hotels selbst stammen, halte ich sie für verhältnismäßig belastbar. Allerdings ist dort vom "Fifth Avenue Plaza Hotel" keine Rede, nur vom Plaza. 

    Demnach begannen die Bauarbeiten am ersten Plaza Hotel bereits 1883. Das Gebäude wurde auf einem Grundstück errichtet, das zuvor dem "New York Skating Club" gehörte. Allerdings lief die Fertigstellung nicht ohne Geldprobleme ab, weshalb das Gebäude 1885 zwar in die Karte von Manhattan eingezeichnet, aber zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht fertiggestellt war. Die New York Life Insurance Company investierte Geld und beauftragte das berühmte Architekturbüro McKim, Mead and White mit der Fertigstellung des Hotels, die dann 1890 erfolgte. Die Eröffnung des ersten Plaza Hotels wird auf den 1. Oktober 1890 datiert. +++



    Die wahrscheinlich älteste Aufnahme vom ersten "The Plaza" ist diese hier, die am 18. August 1890 aufgenommen worden sein soll: 

     the plaza 18 Aug 1890, from the collection of the museum of the city of New York


    Vielleicht von 1890, wahrscheinlich aber von später stammt diese Aufnahme: 



    Die folgenden zwei Aufnahmen sind auf das Jahr 1894 datiert: 

    the plaza 1894, from the collection of the museum of the city of New York


    Plaza Hotel, 1894, from the collection of the museum of the city of New York


    Unbekannt ist das Entstehungsdatum dieser Aufnahme:



    1896 wurden vom Central Park aus die Hotels Savoy und Plaza aufgenommen, das Savoy sichtbar in der Bildmitte mit heller Fassade, das Plaza mit dunklerer Fassade rechts daneben: 

    savoy and plaza, ca 1896, from the collection of the museum of the city of New York


    Zwei vermutlich identische Aufnahmen, die das erste "The Plaza" zusammen mit der Plaza zeigen, photographiert in südliche Richtung. In der Nachbarschaft stehen noch die Mansions, jene alleinstehenden prächtigen Wohnhäuser der besonders wohlhabenden Bevölkerung von New York City, die damals im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ihre Wohnstätten entlang der Fifth Avenue errichtet hatten


    Grand Army Plaza, ca 1901,  from the collection of the museum of the city of New York


    Hier sehen wir noch eine Aufnahme, bereits 1898 entstanden, die von einer etwas westlicheren Position nach Süden blickt: 

    Looking Southeast from the Plaza Hotel, 1898, from the collection of the museum of the city of New York


    Und zum Abschied vom ersten Plaza noch eine Aufnahme vom Süden her nach Nordwesten hoch: 

    Plaza Hotel Winter, from the collection of the museum of the city of New York


    Gegenüber vom "The Plaza", also auf der Ostseite der Fifth Avenue, standen diese beiden Hotelgebäude, links etwas höher das "The Netherland" und rechts etwas niedriger das "The Savoy", die 1892 hinzugekommen waren.


    Hotel Netherland and Hotel Savoy, ca 1900, from the collection of the museum of the city of New York


    Diese Gebäude findet man auf dem folgenden Photo im Bildhintergrund wieder, dass den bereits stark fortgeschrittenen Abriss des ersten "The Plaza" dokumentiert und 1905 aufgenommen wurde. 



    Eine weitere Aufnahme vom Abriss 1905: 



    Der Nachfolger wurde innerhalb von 27 Monaten errichtet und kostete 12,5 Millionen Dollar und öffnete wie sein Vorgänger die Türen am 01. Oktober, dieses Mal aber im Jahr 1907, 17 Jahre nach dem ersten Plaza Hotel. 

    Vom Bau des neuen Plazas habe ich erstaunlicherweise bisher nur eine Aufnahme entdeckt. 



    Das neue, bis heute in Betrieb befindliche "The Plaza" wurde wie oben erwähnt am 01. Oktober 1907 eröffnet. Und es wurde recht häufig photographiert, sowohl von außen als auch von innen. Die nachfolgenden Außenaufnahmen sind alle auf das Eröffnungsjahr 1907 datiert: 






    The Plaza, New York, from the collection of the museum of the city of New York


    Aus dem Jahr 1907 sollen auch die zahlreichen Aufnahmen stammen, die das opulent ausgestattete Innere des Luxushotels vor 110 Jahren zeigen. 























    all Plaza Hotel interior pics taken about 1907, from the collection of the museum of the city of New York

    Und mit zwei Außenaufnahmen, die 1909 nach Einbruch der Nacht entstanden sind, möchte ich den Beitrag über das Plaza Hotel ausklingen lassen. 



    Plaza Hotel illuminated for the Hudson-Fulton Celebration, 1909, from the collection of the museum of the city of New York



    Wikis:




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    Fifth Avenue and 86th Street, William Starr Miller Residence, ca 1915, from the collection of the museum of the city of New York


    Dieser Beitrag folgt dem Vorschlag eines anonymen Bloglesers und richtet sich vor allem an kunstinteressierte Leser, die bei einem Besuch der Hudson-Metropole vielleicht auch mal das eine oder andere Museum abklappern möchten anstelle der üblichen Touristenziele. Aber auch an jene, die wissen möchten, wie sich die Gegend an der Upper East Side im Laufe der Jahre verändert hat. 

    Zugleich ist es aber auch die Gelegenheit, ein historisches Gebäude in New York City zu besuchen, das noch nicht der Abrisswut der New Yorker Baulöwen zum Opfer gefallen ist und bereits auf eine mehr als einhundertjährige Geschichte zurückblicken kann. 

    Zuerst mal der Hinweis im Kommentarbereich unter einem kürzlich veröffentlichten Beitrag: 

    Hallo, ich hätte einen Tip für einen neuen Artikel. Und zwar gibt es an der Fifth Avenue ein Gebäude, das sem Duke(s) House, einem der teuersten Gebäude New Yorks, sehr ähnelt (auch an der Fifth Avenue). Es liegt auf einem Eckgrundstück an der 86. Straße und ist genauso wie das vorher genannte Gebäude ausgerichtet. Was es neben seinem Aussehen interessant macht, ist, dass es unglaubliche Kunstschätze beherbergt und es trägt den offiziellen (auch in New York) Namen "Neue Galerie". Vielleicht ist es ja einen kleinen Artikel wert. 


    Ich würde sagen, ja! Passt auch gut zu dem Beitrag in der vergangenen Woche, der ja auch schon an die Fifth Avenue geführt hat. Schauen wir mal kurz in die Gegenwart. Die Neue Galerie, gelegen an der Ostseite des Central Parks, ist bei Google Maps gut ausgeschildert, wie man hier sieht:

    google maps


    Mit dem Google Street View nähere ich mich mal von Norden her über die Fifth Avenue, rechts die Upper Eastside und links der Central Park. 




    Wie man hier sieht, scheint das Museum nicht ganz unbeliebt zu sein, es lohnt sich wahrscheinlich, rechtzeitig aufzustehen, um einen guten Platz in der Schlange zu erhalten, wenn man sich die Schätze im Innern mal zu Gemüte führen möchte. 



    Dort gibt es auf zwei Etagen Kunst und Kunsthandwerk aus Deutschland und Österreich zu bewundern, der Name "Neue Galerie" ist also nicht nur schön schick exotisch für New York gewählt, sondern tatsächlich Programm, was den präsentierten Inhalt angeht. 







    Auf der deutschen Wikipediaseite war beinahe noch mehr über die Geschichte des Gebäudes zu erfahren als auf der englischsprachigen Seite 

    Das Gebäude, das man heute an der Südostecke der Mündung 86th Street / Fifth Avenue stehen sieht, wurde offenbar 1914 von dem Architekturbüro  Carrere und Hastings gebaut, die auch für einige bekanntere Klassiker in Manhattan wie die New York Public Library oder das Standard Oil Building verantwortlich zeichneten. 

    1879 war die Ecke nur sehr spärlich bebaut, was die braune Einfärbung zu bedeutet hat, kann ich nur mutmaßen, deshalb lasse ich es lieber. Städtische Bebauung ist auf den Straßenblöcken hier noch kaum vorhanden, sieht alles eher ländlich aus. Weiter östlich sieht man eine kleine Eisengießerei und eine katholische Kirche mit angegliedertem Schulgebäude eingezeichnet. Auf dem Eckgrundstück 86th Street / Fifth Avenue schien aber noch nichts gestanden zu haben (oben rechts). 



    Gut eine Dekade später ist der Straßenblock und die Umgebung schon deutlich stärker bebaut und auch das Eckgrundstück 86th Street / Fifth Avenue wurde in der Zwischenzeit mit einem Gebäude versehen. (Bromley 1891, Karte ist hier um 90 Grad gedreht, Norden befindet sich rechts).



    Auf dem gleichen Straßenblock, aber der Seite zur Madison Avenue hat sich das Depot einer Straßen(?)Bahngesellschaft niedergelassen. Das sieht man auch auf dieser Karte von 1902, die nun wieder den Norden oben hat. 



    Ein ähnliches Bild 1911, jetzt ist die Karte wieder nach rechts gekippt, der Norden ist rechts.



    1914 soll die Residenz von William Starr Miller gebaut worden sein, also müsste auf der Karte von 1916 eine Änderung zu erkennen sein (Norden ist dort wieder oben).



    Und tatsächlich: für mich sieht das so aus, als ob bei dem Neubau das Gebäude an der Ecke auf das südlich gelegene Grundstück ausgedehnt und somit breiter wurde. 

    Namensgeber für das Gebäude war William Starr Miller II, im Oktober 1856 in New York City geboren und 1935 in besagter Residenz verstorben. Der Herr war ein vermögender New Yorker Industrieller und Immobilienhändler. 




    Es ist mir leider bisher nicht gelungen, eine Photographie von dem schmaleren Vorgängergebäude aufzutreiben. Das hier ist möglicherweise die älteste verfügbare Gebäude der William Starr Miller Residence, datiert auf den 06. Oktober 1913. 

    William Starr Miller Residence, October 6 1913, from the collection of the museum of the city of New York


    Und eine weitere Aufnahme, auf 1920 datiert, also etwa sechs Jahre nach Fertigstellung.

    William Starr Miller Residence, ca 1920, from the collection of the museum of the city of New York



    Eine weitere Aufnahme, vor 1922 datiert, stammt aus der Sammlung der NYPL Digital Collections. leider nicht besonders hoch aufgelöst. 




    Die Nachbarn, die direkt östlich an der Südseite der 86th Street angrenzen, wurden kurz vor ihrem Ende noch einmal auf dieser Aufnahme 1925 verewigt. Ich liebe diese Photographie wegen der schönen historischen Automobile, die hier vor den Häusern stehen. 





    Dass diese Häuser schon kurz danach abgerissen wurden, um Platz für ein großes Apartmenthaus zu schaffen, kann ich per Photobeweis bestätigen. 

    Diese auf ca. 1929 datierte Aufnahme zeigt "The Adams", das 22stöckige Apartmenthaus, das den Platz der gemütlichen vierstöckigen Wohnhäuser eingenommen hat. Die Miller Residence ist rechts unten vom Osten her zu sehen. 






    Das "Adams" ist genauso wie die Miller Residence bis in die Gegenwart erhalten geblieben. 

    Springen wir nochmal knapp 10 Jahre zurück in das Jahr 1920 und werfen von der Madison Avenue, also von Osten aus gesehen einen Blick in die 86th Street. Im September 1920 fanden dort Straßenbauarbeiten statt, die mit einem VORHER- und einem NACHHER-Photo dokumentiert wurden. Als glücklichen Nebeneffekt gibt es weitere historische Aufnahmen von den Wohnhäusern und der Millers Residence.









    Ein solche VORHER / NACHHER - Gegenüberstellung gibt es auch noch von weiter weg aufgenommen, also von jenseits der Madison Avenue. Und das ist insofern nicht uninteressant, weil sich hier endlich aufklärt, was es mit dem Railway Depot auf sich hat, das in den Karten oben unter wechselnden Namen, aber beständig eingezeichnet wurde. Über die 86th Street verliefen nämlich zumindest bis zur Madison Avenue Straßenbahngleise und dort auf demselben Straßenblock an der Ostseite befand sich tatsächlich ein Abstellplatz für Straßenbahnwaggons. 





    Die Mauern des Straßenbahn-Depots wurden großzügig als Werbeflächen vermietet, wie man hier auf diesen Aufnahmen sehen kann, die an der 85th Street / Madison Avenue entstanden sind:





    Ich denke, dass die Position des Depots nicht ganz zufällig ist. Die Straßenbahn, die auf der linken Seite ins Bild fährt, kommt von Westen her und so, wie ich das sehe, führten die Straßenbahngleise auch entlang der "85th Street-Traverse" quer durch den Central Park und stellten eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen der Upper East Side und der Upper West Side dar. 

    Die folgenden Fotos sind einen Block weiter westlich an der Kreuzung 85th Street / Fifth Avenue / 85th Street-Traverse aufgenommen worden und zeigen Straßenbahngleise, die hinter dem Photographen weiter in den Central Park hinein führen. 







    Kommen wir nochmal auf das Depot zurück: 



    So ein großes Grundstück in der Upper East Side verlockt natürlich, dort auf was mächtig Großes hinzubauen und das folgte nur wenige Jahre nach der Aufnahme oben, die aus dem Jahr 1920 stammte. 

    1923 wurde nämlich auf dem Grundstück an der Madison Avenue zwischen 85th und 86th Street ein modernes Luxushotel hochgezogen, das Croyden Hotel

    The Croyden, 12 East 86th Street, ca 1936, from the collection of the museum of the city of New York


    The Croyden 12 East 86th Street, ca 1923, from the collection of the museum of the city of New York

    Die letzte Abbildung mag vielleicht etwas irritieren, aber man muss hier wissen, dass das Apartmenthaus "The Adams" hier noch nicht gebaut ist und das "dunkle Haus"am rechten Bildrand nicht die Miller Residence ist, sondern jene Wohnhäuser, die in den 20ern noch dort standen, wo gegen Ende der 20er "The Adams" gebaut wurde. Zum Vergleich eine 3-D-Aufnahme des Blocks mit Google Earth erstellt: 




    So, das meiste rund um die Miller Residence müsste ich jetzt ausgeleuchtet haben. Ein Lost Building habe ich aber noch: 

    Direkt südlich von der Miller Residence befand sich an der Fifth Avenue dieses schmucke schmale Wohnhaus, das hier am 22. Dezember 1944 aufgenommen wurde, Hausnummer 1046 5th Ave



    An seiner Stelle steht heute dieser nichtssagende Neubau, der - ich weiß nicht wann, ist mir auch egal wann - entstanden ist und der vielleicht mehr Wohnungen oder Arbeitsplätze als sein Vorgänger beherbergen kann, aber nicht annähernd über die gleiche Ausstrahlung und Atmospäre wie dieser verfügt. 

    Und damit lasse ich den Beitrag ausklingen.



    google maps


    Links



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  • 02/19/17--12:17: Brooklyn Bridge Vaults


  • Einen habe ich noch an diesem Wochenende. Über das Thema bin ich vor ungefähr einer Woche gefallen, als ich für den Beitrag über "The Plaza" recherchiert habe. 

    "Was hinter verbotenen Türen auch steckt, wir kennen kein Zurück - es wird von uns entdeckt."

    Als Kind der 1970er bin ich mit den fünf Freunden aufgewachsen und habe alles verschlungen, was da so im Angebot war, ob Buch, Hörspielkassette, Langspielplatte oder auch Fernsehserie (aus dessen Titelsong das Zitat oben stammt). 

    Und dort wurde sicherlich auch eine gewisse Faszination für alte Gemäuer, verborgene Geheimgänge, unterirdische Wege, Keller und Gewölbe gelegt. Und gelegentlich entdecke ich auch in der Unterwelt von New York auch ein Kleinod, das es verdient, mal hier Erwähnung zu finden. 



    Drehen wir die Uhr einfach mal 140 Jahre zurück bis zum Jahr 1876. Was war damals das höchste Bauwerk in New York? Eine Kirche? Ein Hochhaus. Ein Brückenpfeiler? Ob die Lösung stimmt, weiß ich nicht und die Photographie oben von der New Yorker Skyline 1876 ist wegen der Perspektivenverschiebungen auch nicht geeignet, um die Frage klar zu beantworten. Laut der oberschlauen Wikipedia ist es aber so, dass der Westpfeiler der Brooklyn Bridge rechts im Bild mit 84,5 Metern das zweithöchste Bauwerk in Manhattan war und die Trinity Church mit 86 Metern (Tumspitze) das höchste Bauwerk. 

    from the collection of the museum of the city of New Yorki


    Die Bauarbeiten an den Pfeilern der Brooklyn Bridge begannen um das Jahr 1870, die Fertigstellung zog sich bis in das Jahr 1876 hin, also ca. sieben Jahre. Danach dauerte es nochmal weitere 7 Jahre, bis die Kabel und Seile gespannt und die Fahrbahnen eingehängt waren und die Brücke 1883 eröffnet werden konnte. Soweit - so gut. 



    Die Photos aus den ersten Jahren der Bauarbeiten zeigen, dass es sich bei den Pfeilern um imposante Mauerwerke handelte. 



    Imposante Mauerwerke verfügen ja meistens auch über Gewölbe und Kellerräume. Die Gewölbe unter den Pfeilern der Brooklyn Bridge während der Bauphase sind allgemein bekannt, denn sie waren während der Entstehung der Brückenpfeiler Orte des Schreckens, was die Photos oben so nicht verraten. 

    1. Caissons (Senkkästen)

    Die Senkkasten-Technik, mit der die Pfeiler in das Flussbett des East Rivers gesetzt wurden, war damals noch neu und nicht ausgereift. Die Arbeiter schaufelten unter den Brückenpfeilern den Sand aus dem Flussbett und überhöhter Luftdruck hinderte das Wasser des East Rivers daran, die Baustelle zu fluten. Allerdings konnte man die Empfindlichkeit, mit der der menschliche Körper auf abrupte Luftdruckwechsel reagierte, noch nicht treffend einschätzen. Mit der Folge, dass eine Menge Arbeiter beim Verlassen des Arbeitsplatzes unter Überdruck zu schnellen Druckwechseln ausgesetzt waren und dabei dauerhafte gesundheitliche Schäden davon trugen. 



    Prominentestes Opfer war Washington Roebling, der das Bauprojekt leitete und der danach auf den Rollstuhl angewiesen war und nur noch über ein eingeschränktes Sprechvermögen verfügte.



    Auf der Brooklyn-Seite mussten die Erbauer der Brücke bis 13 Meter unter der Wasseroberfläche graben, um auf tragfähigen Felsboden zu stoßen. Der Pfeiler auf der Manhattan-Seite war ungleich schwerer zu erbauen, die Männer mussten bis 23 Meter Tiefe hinunter, um tragfähigen Grund zu erreichen. 

    Die damaligen Arbeitsbedingungen bei Überdruck, schlechter Belüftung und Petroleumlicht kann man sich kaum noch vorstellen. Aber auch der Arbeitsschutz bzw. die Notwendigkeit mussten erst einmal entdeckt werden. 

    Photos aus den Senkkästen existieren meines Wissens nicht, wohl aber einige Zeichnungen aus zeitgenössischen Magazinen:



















    Ich gebe zu, mir als Nichttechniker fällt es ziemlich schwer, die Funktionsweise des Senkkasten-Verfahrens nachzuvollziehen. Die beste Zeichnung, die ich hierzu gefunden habe, ist diese hier, die verdeutlicht ganz gut, wie unten im Senkkasten geschaufelt wird und oben wieder aufgemauert, wenn sich der Klotz weiter in das lose Flussbett abgesenkt hat. Zu beneiden sind diese Arbeiter nun wirklich nicht.



    Senkkästen / Caissons wurden in Südmanhattan übrigens nicht nur beim Bau der Brooklyn Bridge verwendet, sondern kamen auch beim Bau einiger Wolkenkratzer zum Einsatz, die ebenfalls auf losem Untergrund errichtet wurden. 

    2. Wine Cellars

    Kehren wir jetzt wieder zum Startpunkt in der Vergangenheit zurück, also die Zeit nach Fertigstellung der Pfeiler und das Jahr 1876. 



    So ein massives Gemäuer hat - auch wenn es neu ist - ein paar Eigenschaften, die es über seine eigentliche Verwendung hinaus interessant macht. Zum Beispiel ist es dunkel, feucht und kalt von innen. 

    Der Bau der Brooklyn Bridge war für die damalige Zeit wahrlich kein Schnäppchen, die Kosten waren enorm und bereits der erste Bauherr, John Roebling, hatte die Idee, in die Pfeiler auch gewerblich nutzbare Gewölbe zu integrieren. Nach seinem tragischen Tod zu Beginn der Bauarbeiten 1869 wurde diese Idee von seinem Sohn, dem oben erwähnten Washington Roebling, beim Bau der Pfeiler tatsächlich auch umgesetzt. 

    Und so kam es, dass 1876 sowohl im Pfeiler auf der Brooklyn-Seite als auch auf der Manhattan-Seite ein Weinkeller in Betrieb genommen wurde. Denn wie der Mensch so ist, Alkohol genießt eine hohe Priorität, damals wie heute. Und in beiden (damals noch nicht vereinigten Städten) gab es in Brückennähe Alkoholhändler, die händeringend geeignete Aufbewahrungsorte für ihre Schätzchen suchten und die Gewölbe in den Pfeilern der Brooklyn Bridge dankend annahmen. 

    Wo genau sich die Gewölbe in den Pfeilern befinden, kann ich leider nicht sagen. Aber Photos aus dem Inneren existieren. 






    Und auch wenn es da drin vermutlich arschkalt und sau-ungemütlich ist, hindert das offenbar manche Zeitgenossen nicht daran, sich die Kleider vom Leib zu reißen. Ja, ja, die New Yorker mit ihrem ewigen Kampf um Aufmerksamkeit ....



    So richtig kann ich mir das mit den Gewölben in den Pfeilern immer noch nicht vorstellen. Und passend zu meinen Zweifeln bin ich gerade auf eine Seite gestoßen, die das Rätsel auf eine Weise auflöst, die ziemlich schlüssig erscheint. 

    Demnach befinden sich die Gewölbe, die als Weinkeller genutzt wurden, nicht in den Pfeilern, sondern in anderen, zum Bauwerk "Brooklyn Bridge" zugehörigen Bauwerksteilen. 



    Wenn ich da jetzt mal hinter dem Pfeiler auf die Manhattanseite zoome, dann sehe ich vor der Endstation der Kabelbahn noch einige gemauerte Bauwerke, auf die die Fahrbahn der Brücke aufliegt. 


    Und da kann man sicher prima ein paar Weinkeller drin unterbringen. 

    Für diese These sprechen auch die Photos aus dem flickr-Photostream von Pauletto alias Paul Fitzpatrick. Der hat nämlich die Gelegenheit gehabt, an einer Führung unter die Brooklyn Bridge teilzunehmen. Und der hat von dort tolle Photos mitgebracht, die voll und ganz zu dem eingangs erwähnten Zitat der Fünf Freunde passen "Was hinter verbotenen Türen auch steckt...".

    Bei Pauletto heißt das dann "Under the Brooklyn Bridge - A chance to see some spaces behind closed doors." Und mit einer Auswahl von Pauls Erkundungstour möchte ich den Beitrag ausklingen lassen. Ein Photo daraus haben wir oben bereits gesehen. Das volle Set findest Du hier: 















    Wie ging die Geschichte weiter mit den Gewölben unter der Brooklyn Bridge. Alkohol war nach dem ersten Weltkrieg ja bekanntermaßen nicht mehr pöök in den Vereinigten Staaten und wurde kurzerhand verboten, die Prohibition dauerte eine gute Dekade an. Und auch wenn die Gewölbe 1920 erstmal geräumt wurden, scheinen sie in den Folgejahren auch als Speakeasy, also als geheime Kneipe mit Alkoholausschank genutzt worden zu sein. 

    In den 1930ern gab es dann wieder Weinhändler, die die Gewölbe offiziell nutzten, wie zum Beispiel dieser hier mit einer Werbeanzeige aus dem Jahr 1936. 



    In späteren Jahren und Jahrzehnten wurden dann auch andere Güter eingelagert. So berichtete die New York Times, dass Arbeiter der Stadt New York 2006 in den Mauerwerken unter der Brooklyn Bridge einer Art Zeitkapsel aus den Jahren des kalten Kriegs entdeckten, die nahezu 50 Jahre unberührt geblieben war. 

    Während des kalten Krieges, nach Sputnick-Schock und Kuba-Krise waren dort Medikamente eingelagert worden, medizinische Geräte, Laken aus Papier, Wasserfässer und tausende kalorienreiche Kekse in wasserdichten Metallkanistern. Und damit wären wir dann wieder beim Photo angekommen, das diesen Beitrag eingeleitet hat: 




    Links:


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  • 02/26/17--12:29: Forty Second Street - Part 1
  • William David Hassler, West 42nd Street, ca 1912, from the collection of the museum of the city of New York


    Es ist schon wieder gute zwei Jahre her, dass ich hier im Blog eine Miniserie über eine der bekanntesten Straßen in New York City veröffentlicht habe, nämlich über die Christopher Street.


    Damals hatte ich mir vorgenommen, das später mit weiteren bekannten Straßen zu wiederholen. Und so schiebe ich schon seit gut zwei Jahren den Beginn der nächsten Serie vor mir her, nämlich einer Serie über die 42nd Street

    Abschreckend gewirkt hat sicherlich die unübersichtliche Flut an Bildmaterial. Schon bei der Christopher Street war das Bildmaterial schwer zu bändigen und entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten hatte ich damals im Vorfeld der Serie schon sehr viel gespeichert und sortiert. Ich befürchte aber, dass ich, wenn ich bei der 42nd Street genauso vorgehe, wahrscheinlich niemals mehr mit der Serie anfange und deshalb mache ich das dieses Mal anders, nämlich nicht chronologisch, sondern ich werde mich durch die zahlreichen Schauplätze und Dekaden wie durch einen Flickenteppich hindurcharbeiten, so dass man schließlich, wenn die Serie abgeschlossen ist, das ganze Gebilde 42nd Street nicht linear, aber facettenreich erlebt hat. Mal schauen ob das funktioniert. Bei einigen Schauplätzen kann ich auch schon auf vorhandene Beiträge verlinken, denn der Blog war in den vergangenen Jahren schon des öfteren an der 42nd Street zu Gast und hat das eine oder andere Gebäude bereits im Detail beleuchtet. 

    Schauen wir zunächst mal auf ein paar technische Details. Die 42nd Street wurde - wie sehr viele andere Straßen in Manhattan auch - künstlich geschaffen, als man 1811 ein Gitter mit einem gleichförmigen Straßennetz über die Karte von Manhattan Island legte und die Insel oberhalb der "Altstadt" in mehr oder weniger gleichgroße Straßenblöcke einteilte. 

    google maps


    Die 42nd Street gehört zu den zahlreichen Straßen, die grob beschrieben von Ost nach West (oder andersrum) gerade durch Manhattan verlaufen und dabei die Avenues, die Nord-Südachsen, im rechten Winkel kreuzen.

    Allerdings gehört sie zu einem bevorzugten Kreis von Straßen, die etwas breiter angelegt wurden als der Großteil der parallel verlaufenden Straßen. Woran genau das liegt, kann ich nur vermuten, ich weiß aber, dass über manchen der breiteren Straßen teilweise eine Hochbahntrasse verlief und fast alle kreuzen einen Schnittpunkt des Broadways mit einer Avenue.



    42nd Street - Times Square; 34th Street - Herald Square; 23rd Street - Madison Square, 14th Street - Union Square. Etwas aus der Reihe tanzt die 57th Street, da liegt der Schnittpunkt etwas höher an der 59th Street. Dafür setzt sich das Muster aber weiter oben wieder fort mit 65th Street - Lincoln Square und 72nd Street - Verdi Square. 

    Die "42nd Street" verläuft vom Ostufer der Insel am East River über eine Länge von ungefähr dreieinhalb Kilometern bis zum Westufer der Insel am Hudson River. Auf ihrem Weg quer durch Manhattan kreuzt sie 12 Straßen, wird zweimal überbrückt, ist zweimal Ort einer Straßenmündung und sie mündet jeweils in die Uferstraßen an beiden Seiden von Manhattan. 



    Schauen wir uns die 42nd Street mal in der Gegenwart an, bevor wir in die Vergangenheit abtauchen. Die Karte oben markiert die erste Etappe vom East River bis zur Lexington Avenue. 


    google street view


    Als Intro dient die  höhergelegte Abfahrt vom FDR Drive. Links sehen wir die drei Hochhäuser, die die Ostseite des Viertels "Tudor City" schmücken. Das Hochhaus mit der hellen Südfassade in der Mitte rechts ist der Blickfang des UNO-Komplexes, ganz rechts sieht man den Hudson River und im Hintergrund die Queensboro Bridge. 



    Hier befinden wir uns am Übergang von der Nordsüdachse "FDR Drive" zum Mündungs- / Ausgangspunkt der "42nd Street". Die führt - wie man sieht - zwischen zwei der Hochhäuser von Tudor City hindurch, rechts im Bild wieder das UNO-Hochhaus. Links im Hintergrund eines der bekanntesten Gebäude an der 42nd Street: das Chrysler Building, gut zu erkennen dank der charakteristischen Spitze. 


    Ein Stockwerk tiefer taucht dann der FDR Drive als Nord-Südachse am Inselufer unter dem UNO-Komplex hindurch. 



    Für eine Stadt mit dem Format von New York ist das aber noch nicht dreidimensional genug, deshalb steigen wir noch ein Stockwerk tiefer in den Untergrund der Insel hinab. Denn dort trifft der Queens Midtown Tunnel, der von Queens kommend unter dem East River verläuft, auf Höhe der 42nd Street auf die Insel Manhattan und dreht dann unter dem südlich der 42nd Street gelegenen Robert Moses Playground nach Süden ab. 



    Am Ende der FDR Drive-Abfahrt stoßen wir auf die erste Kreuzung der 42nd Street. Ganz im Osten schneidet sie die First Avenue am Fuß der Tudor City-Hochhäuser.



    Immer noch im Tudor City-Viertel und nur unweit dahinter dann die erste Überbrückung. Dort oben kreuzt ein kurzes Sträßchen namens "Tudor City Place".


    Als nächstes folgt die Kreuzung mit der Second Avenue. An diesem Ort ist ein berühmtes Standphoto aus dem Film "Leon der Profi" entstanden. Nach dem Ort habe ich ziemlich lange vergeblich gesucht. 



    Je weiter wir nach Westen kommen, umso straßenschluchtiger scheint die 42nd Street zu werden. 


    Hier kreuzt die Third Avenue die 42nd Street. Und die Wasserspeier am Gebäude in der Bildmitte rechts kündigen an, dass hier bald ein Gebäude gestreift wird, das für kurze Zeit mal das höchste Gebäude der Welt war: das Chrysler Building



    Am Fuß des Chrysler Buildings erreichen wir dann die nächste Straßenkreuzung. 



    Bei der Avenue, die hier kreuzt, handelt es sich um die Lexington Avenue. Rechts die helle Fassade gehört zum Chrysler Building, links in braun die Fassade des schräg gegenüber errichteten Chanin Buildings. 



    Puristen würden natürlich zu Recht darauf hinweisen, dass die 42nd Street in diesem Bereich genaugenommen "East 42nd Street" heißt, weil wir uns immer noch östlich der Fifth Avenue befinden, die darüber entscheidet, ob zum Straßennamen ein "East" oder ein "West" hinzuzufügen ist. 


    Zeit, mal wieder eine Karte einzuschieben, denn wir erreichen die zweite Etappe entlang der 42nd Street, die uns von der Lexington Avenue zur Fifth Avenue führt. 



    Kurze Rast hinter der Kreuzung Lexington / 42nd Street und Orientierung:



    In der Bildmitte sieht man, dass sich die zweite Brücke über die 42nd Street nähert, rechts davon erkennt man die klassische Fassade des nach wie vor größten Bahnhofs der Welt, des Grand Central Terminals, zumeist Grand Central Station genannt. 




    Der "Platz" unter der Brücke wurde nach General Pershing benannt, der im Ersten Weltkrieg Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen war: Pershing Square.  



    Oben über die Brücke führt wieder ein Sträßchen, in diesem Fall das "Park Avenue Viaduct", das auf dem höher gelegten Level um die Grand Central Station herumführt. 




    Brücke heißt ja auch oft Aussichtspunkt. Und von hier oben schauen wir zum einen mal rüber nach Osten auf das Stück der "42nd Street", das wir bereits zurückgelegt haben....



    ... und selbstverständlich riskieren wir auch einen Blick nach Westen auf die Dinge, die noch kommen werden: 



    In dem ganzen Krawall und Getümmel rund um die Grand Central Station kann man leicht die Straßenmündung übersehen, die sich direkt westlich vom Bahnhofsgebäude befindet. 





    Dort endet ein schmales und nur wenige Straßenblöcke langes Sträßchen namens "Vanderbilt Avenue" an der 42nd Street. 



    Nur ein kleines Stück weiter westlich stoßen wir dann auf wieder auf eine große Nord-Süd-Achse, die unseren Weg kreuzt. Hier ist es die Madison Avenue



    Das Hochhaus mit der weißen Gebäudespitze, das in der Mitte im Bildhintergrund langsam anfängt, den Blick auf sich zu ziehen, ist das Bank of America Building, das schon vor seiner Fertigstellung 2009 für einige Jahre das zweithöchste Gebäude in New York nach dem Empire State Building war.

    Weiter westlich, aber noch vor Erreichen der Fifth Avenue, bin ich auf dieses wunderschöne Holdout gestoßen, also ein Gebäude mit wenig Stockwerken, das neben oder wie in diesem Fall zwischen benachbarten Gebäuden steht, die deutlich höher ausfallen. Für diese Kleinode habe ich schon länger eine Schwäche und dieses hier war mir bisher noch nicht aufgefallen.




    Wir erreichen die Fifth Avenue als nächsten Kreuzungspunkt und dort in der Bildmitte, etwas hinter den Bäumen verborgen liegt eine Quelle, die ich im Blog auch oft und gerne nutze, die öffentliche Bibliothek der Stadt New York, die New York Public Library (NYPL)



    Wir kommen zum Beginn der dritten Etappe entlang der 42nd Street. Da die Abstände zwischen den Kreuzungen jetzt zumeist etwas größer ausfallen als entlang des östlichen Straßenabschnitts, habe ich den Ausschnitt etwas größer ausgewählt. Die dritte Etappe reicht von der Fifth Avenue bis zur Ninth Avenue. 



    Hinter der New York Public Library stoßen wir auf einen öffentlichen Park an der Südseite der 42nd Street, den Bryant Park



    Nur ein paar Steinwürfe weiter westlich kommt dann die Sixth Avenue im rechten Winkel versetzt des Weges daher. 



    Früher befand sich oberhalb der 6th Avenue eine Hochbahntrasse und von der Station am Bryant Park aus wurde ca. 1911 das Photo in östliche Richtung aufgenommen, das den Beginn dieses Beitrags markiert.

     
    Rechts sieht man immer noch den Bryant Park und dahinter die New York Public Library, aber ansonsten hat sich in den letzten 105 Jahren schon einiges verändert. 



    Was einem nicht direkt ins Auge fällt, ist der Umstand, dass die "Aeolian Hall", also jenes Hochhaus, das 1911 gerade gebaut wurde, bis heute an der 42nd Street steht. 





    Nach Überqueren der Sixth Avenue nähern wir uns einem der bekanntesten Orte in New York City, dem Times Square. Vor 40 Jahren war der Times Square rund um die 42nd Street noch so etwas wie die Reeperbahn von Manhattan, heute hat sich das Bild grundlegend verändert, die Pornokinos, die Bordelle und die Schmuddellädchen sind verschwunden, an ihre Stelle ist ein blitzsauberer und greller Touristenanziehungspunkt getreten, Stichwort: Disneyfizierung. 



    Der Times Square hieß unsprünglich Longacre Square und beginnt im Süden etwa dort, wo Broadway, 7th Avenue und 42nd Street einander kreuzen. Da wir vom Osten kommen, stoßen wir zuerst auf den Broadway, der sich unbeeindruckt von dem Verlauf im Straßengitter etwas verquer seinen Weg in nördliche Richtung sucht. 



    Das mag im Gewühl etwas untergehen, aber vor uns kreuzt der Broadway die 42nd Street. Und dieses Haus hier in der Bildmitte, das schon mehr als 110 Jahre alt ist, aber durch Umbauten zu einem reinen Werbetafelträger völlig entstellt wurde, war 1904 der Grund, warum aus dem Longacre Square der Times Square wurde. Denn hier befand sich das neue Hauptquartier der "New York Times", die von ihrer alten Niederlassung am City Hall Park hier hoch gezogen war. 



    Man kann sicherlich darüber streiten, aber man kann durchaus der Meinung sein, dass die Position des Times Buildings auch das Südende des Times Squares markiert und passenderweise auch die Hausnummer "One Times Square" trägt. 



    Vor uns die Rück / Südseite des Times Buildings, rechts führt der Broadway vorbei und links die Seventh Avenue.

    Und hier der Blick um 90 Grad nach Westen gedreht, die 42nd Street hinunter und die Kreuzung mit der Seventh Avenue direkt vor dem Betrachter gelegen:



    Früher in den 1970ern war dieser Abschnitt der 42nd Street westlich der 7th Avenue das Revier der Schmuddel- und Pornokinos, der sogenannten Grindhouses. Unter anderem verewigt in Martin Scorseses "Taxi Driver". 



    Heute haben die Musicals den Abschnitt fest in der Hand. Auch eine Filiale eines berühmten englischen Wachsfigurenkabinetts hat sich ein Plätzchen zwischen den Sing-Sang-Theatern gegönnt. 



    Und das New Amsterdam Theatre links in der Mitte dürfte wohl wesentlicher Grund gewesen sein, dass für die Veränderung dieses Ortes nicht unbedingt wohlwollend der Begriff Disneyfication geprägt wurde. 



    An der Eigth Avenue sind die Auswirkungen des nun hinter uns gelegenen Times Squares noch zu spüren, einige überdimensionale Werbetafeln versuchen weiterhin die Blicke auf sich zu ziehen. Aber es fällt bereits einen Block weiter westlich auf, dass die Hochhäuser und die Glashäuser, die uns jetzt geraume Zeit begleitet haben, weniger werden. 

    Na gut, nicht ganz, aber ein bisschen weniger.


    Wahrscheinlich ist es die weltweit bekannte "Marke" 42nd Street, die über die ganze Länge der Straße die Hochhäuser anzieht, so wie hier an der Kreuzung 42nd Street / Ninth Avenue

    Es ist Zeit, die letzte Etappe zu stecken, denn die dreieinhalb Kilometer lange Strecke entlang der 42nd Street neigt sich ihrem Ende entgegen. Etappe vier reicht von der Ninth Avenue bis zur 12th Avenue, die zugleich die Uferstraße am Hudson River und an der Westseite von Manhattan darstellt. 



    Nur ein kleines Stück hinter der Ninth-Avenue-Kreuzung befindet sich die zweite Straßenmündung in die 42nd Street nach der Vanderbilt Avenue



    Die Dyer Avenue, die hier ihren nördlichen Ausgangspunkt hat, erstreckt sich aber ebenfalls nur über einige Blöcke südwärts und verläuft durch das unübersichtliche Geflecht an Straßen und Wegen rund um die Ein- und Ausfahrt des Lincoln Tunnels



    Auch wenn das Wetter im Westen von Manhattan schlagartig schlechter wird, wollen wir weiter dem Verlauf der 42nd Street folgen. 



    Vor uns liegt die Kreuzung mit der Tenth Avenue und ich bilde mir ein, dass ich ganz in der Mitte im Hintergrund schon die Hügel von New Jersey auf der anderen Seite des Hudson Rivers sehen kann. 



    Respekt, inzwischen haben wir die Kreuzung Eleventh Avenue / 42nd Street erreicht und immer noch mangelt es nicht an Hochhäusern. Aber trotzdem wird sich die Reise bald dem Ende zuneigen. 



    Da vorne hinter dem Schulbus ist Feierabend. 



    Schnell noch einmal wehmütig umdrehen und nach Osten blicken. 



    Tief Luft holen und hinein in die Twelfth Avenue, die so breit wie zwaaaanzig Kölner Karnevalisten daherkommt. Es reicht für zwei Fahrspurbänder, eines nach Norden und eines nach Süden. 



    Na bitte, auf der Spur Richtung Süden ist das Wetter prompt wieder besser!



    Ganz am Westende kann die 42nd Street noch mit der Nähe von zwei Touristenattraktionen glänzen. 



    Links ist der Ausgangspunkt der Circle Line, einer mehrstündigen Schiffrundfahrt rund um die Insel Manhattan, rechts sieht man den Turm des Flugzeugträgers Intrepid, ein Museum für alle, die gerne mal Flugzeugträger, U-Boote, Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge besichtigen möchten. Ein Weltraumfahrzeug befindet sich auch in der Sammlung. 





    Byron Company, Fifth Avenue and 42nd Street, 1928, from the collection of the museum of the city of New York


    Kehren wir der Gegenwart nun den Rücken und tauchen ab in die vielfältige Vergangenheit der 42nd Street. Startposition soll wieder mal das Jahr 1836 sein und die praktische historische Karte, die aus diesem Jahr verfügbar ist. 

    Und die 42nd Street ist prompt die letzte Straße, die vom Straßengitter regulär prägnant in die Karte eingezeichnet wurde. 



    Hier sieht man den östlichen Teil der damaligen 42nd Street: 



    Die First Avenue reicht hier noch nicht bis zur 42nd Stret hinauf. Überhaupt scheint es fraglich, ob die Straße damals schon bis zum East River reichte oder ob da zwischen Straßenende und Uferlinie noch ein Sumpf oder ein Wald oder beides war. Dort wo heute die UNO ansässig ist, befand sich damals eine kleine Bucht mit dem Namen "Turtle Bay". Der Schriftzug 42nd STREET ist auf der Karte von der Second Avenue im Osten und der Third Avenue im Westen "eingerahmt" Der Vorläufer der Lexington Avenue, "Irving Place" genannt, endete damals an der 42nd Street. Dann verläuft in der Nähe noch Broadway-ähnlich ein Weg, der sicherlich schon aus der Zeit vor dem Straßengitter stammt und der auch grob in die Nord-Süd-Richtung führt, aber nach Norden hin Richtung Osten hält und wahrscheinlich um natürliche Hindernisse herum verläuft. Links sieht man entlang der "Fourth Avenue" eine Bahnlinie verlaufen, dort wo die Park Avenue sich befindet. Allerdings endete die Bahnlinie auf der Karte nicht sichtbar in einem Bahnhof oder einem Depot, sondern ein Stück unterhalb des Cooper Squares auf der Bowery



    Das an der Ecke 5th Avenue / 42nd Street eingezeichnete Trinkwasserreservoir wurde zwar 1836 schon geplant, der Bau begann aber erst 1837. Das "Distributing Reservoir" oder auch "Croton Reservoir" war ein früher Monumentalbau in New York City, der eine der ersten Attraktionen an der 42nd Street darstellte. 




    Auf dem Gebiet des Longacre Squares und späteren Times Squares scheint eine kleine Siedlung eingezeichnet worden zu sein. Ob es sich dabei um das Dorf handelt, das sich auf den Bau von Kutschen spezialisiert hatte, vermag ich aber nicht zu sagen. 



    Danach kreuzt die 42nd Street die 8th Avenue und die 9th Avenue...

    .... sowie die 10th Avenue und die noch unvollständige 11th Avenue, bevor sie interessanterweise an einem künstlichen Hafenbecken endet, das den Namen "Lumber Basin (Holzfäller-Becken)" trägt und in Erweiterung einer natürlichen Bucht mit dem Namen "Norton's Cove" gebaut wurde. Der Name "Lumber Basin" lässt vermuten, dass hier vielleicht Stämme von in der Umgebung gefällten Bäumen auf dem Wasser gelagert und später verschifft oder verfloßt wurden.





    Nach diesem Sprung 170 Jahre zurück in die Vergangenheit wollen wir uns jetzt mal in den wilden Wirbel der Zeit stürzen. 

    Es geht los mit dem Jahr 1869, als an der östlichen 42nd Street diese Zeichnung entstand: 

    from the collection of the museum of the city of New York


    Sie zeigt eine Shanty-Town, also eine Siedlung ärmerer Bewohner in der damals noch stark hügeligen Umgebung der 42nd Street. Die Siedlung befand sich auf Höhe der Second Avenue, der Blick zeigt nach Westen. 



    Wir erinnern uns, rechts und links von der 42nd Street zwischen First und Second Avenue findet man heute Tudor City und eine kleine Brücke überspannt dort die 42nd Street, um die beiden Teile von Tudor City miteinander zu verbinden. 


    Ein klein wenig von der hier abgebildeten Topographie scheint also erhalten geblieben zu sein.

    Es folgt ein Sprung in das Jahr 1919 zur nächsten Zeichnung. Genau peile ich nicht, was das sein soll, ich vermute eine städteplanerische Fiktion, bei der die 42nd Street gegenüber der Gegenwart deutlich verbreitert wurde. 

    from the collection of the museum of the city of New York


    Der Blick fällt aus östlicher Richtung über die gesamte Straße bis hin nach Westen. Ich werde Vergrößerungen ziehen und mich scheibchenweise von Osten nach Westen vorarbeiten wie zuvor auch. 






    Sprung ins Jahr 1927, Kreuzung Lexington Avenue / 42nd Street. 

    Byron Company, Lexington Avenue at 42nd Street, 1927, from the collection of the museum of the city of New York

    Wir befinden uns auf dem Dach eines Gebäudes an der Südostecke der Kreuzung, die Lexington Avenue verläuft von der Mitte unten nach Hintergrund rechts. Beherrschendes Bauwerk in dieser Photographie ist das Hotel Commodore aus dem Jahr 1919 an der Nordwestecke der Kreuzung. 

    Ihm gegenüber auf der Nordostecke wurde ab 1928 das Chrysler Building gebaut. Und vorne links sieht man bereits die Baustelle, wo das Chanin Building ab 1927 entstand. 

    Chanin Building und Chrysler Building sieht man schön vom Osten her auf dieser Photographie, die 1930 von Tudor City aus aufgenommen wurde:

    Samuel Gottscho, 42nd Street from Tudor City, 1930, from the collection of the museum of the city of New York


    Und nochmal das neugebaute Chanin Building alleine im Dezember 1928: 

    Samuel Gottscho, Dec 17 1928, Chanin Building, from the collection of the museum of the city of New York


    Eine wunderbare Momentaufnahme der zwar schon fertig gebauten, aber erst drei Jahre später eröffneten New York Public Library aus dem Jahr 1908 sehen wir hier: 

    Byron Company, 42nd Street and 5th Avenue, 1908, from the collection of the museum of the city of New York


    11 Jahre später die gleiche Kulisse, aber eine andere Szenerie. Die Straßen sind gefeiert, große Ornamente vor der Bibliothek aufgebaut. Man feiert wohl das für die Vereinigten Staaten siegreiche Ende des Ersten Weltkriegs. 

    Byron Company, 42nd Street and 5th Avenue, 1919, from the collection of the museum of the city of New York

    Weiß jemand, was das für ein Hochhaus im Bildhintergrund ist?

    Von 1919 geht es weiter ins Jahr 1932 und zur Kreuzung Madison Avenue / 42nd Street. Dort steht das Gebäude mit der Hausnummer 50 East 42nd Street im Mittelpunkt der Photographie:

    Byron Company, 50 East 42nd Street, 1932, from the collection of the museum of the city of New York

    Eine kleine Karte erklärt am einfachsten, wo der Photograph stand. Im Vordergrund verläuft die 42nd Street, die Madison Avenue sieht man rechts. 



    Die Basis des gleichen Gebäudes nochmal bei Dunkelheit, ich glaube aber nicht, dass die Aufnahme wie angegeben aus dem Jahr 1993 stammt, dann müssten sich alle auf dem Photo schwer verkleidet haben. 

    Byron Company, 50 East 42nd Street, from the collection of the museum of the city of New York


    Auf der schräg gegenüberliegenden Seite der Kreuzung sah man die folgenden Gebäude: 

    Byron Company, 42nd Street and Madison Avenue, ca 1925, from the collection of the museum of the city of New York


    Im Bildhintergrund links verschwindet die Madison Avenue, die 42nd Street führt in der Bildmitte von rechts nach links. Das Gebäude direkt vorne auf der Ecke rechts trug den Namen Carbide and Carbon Building

    1904 wurde das folgende Restaurant an der 42nd Street aufgenommen, dass mit Szenen aus dem klassischen Griechenland dekoriert war. Wo sich genau dieses Restaurant befand, verrät die Bildbeschreibung leider nicht. 

    Byron Company, A greek restaurant on 42nd Street, 1904, from the collection of the museum of the city of New York


    Auch die genaue Position dieser Billiard-Hölle, die 1898 aufgenommen wurde, bleibt mit Ausnahme der 42nd Street unklar. 

    Byron Company, Billiards, Ives, 42nd Street, 1898, from the collection of the museum of the city of New York


    Aber die schlaue Suchmaschine Google weiß weiterzuhelfen, demnach befand sich das 1897 eröffnete "Ives Billiard Parlor" an der Ecke 42nd Street / Broadway, also nahe am späteren Times Square. 



    Die Herren oben und die auf dem nachfolgenden spielen das klassische Billiard mit drei Kugeln und ohne Taschen. 

    Byron Company, Billiards, Ives, 42nd Street, 1898, from the collection of the museum of the city of New York


    Tische, an denen Pool Billard gespielt werden konnte, gab es im Ives aber auch: 

    Byron Company, Billiards, Ives, 42nd Street, 1898, from the collection of the museum of the city of New York


    Na gut, wenn wir schon am Longacre Square, dem späteren Times Square sind, dann können wir auch dort weiter machen.

    Diese reizende Aufnahme ist auf 1869 datiert und soll die Südwestecke der Kreuzung Broadway / 42nd Street zeigen: 

    Broadway and 42nd Street, 1869, from the collection of the museum of the city of New York


    Ich behaupte mal, dass von dieser Szenerie 148 Jahre später (also heute) nichts mehr erhalten geblieben ist. 1875, als diese Zeichnung entstanden sein soll, war das dagegen noch anders. 

    Broadway and 42nd Street, ca 1875, from the collection of the museum of the city of New York


    Das Gebäude rechts kann man ohne Probleme als jenes wiedererkennen, welches auch schon auf der 1869er Photographie rechts außen zu sehen war. 



    Allerdings mussten die Gebäude, die unter dem Schild "UNION COAL YARD" direkt südlich angrenzten, in den sechs Jahren zwischen Aufnahme und Zeichnung weichen und wurden 1874 durch einen siebenstöckigen Neubau namens "Rossmore Hotel" ersetzt. 



    Ich habe noch zwei weitere wundervolle Aufnahmen vom Rossmore Hotel gefunden und dem Gebäude auf der Ecke, das vermutlich das Broadway Hotel ist. 

    Gegenüber auf der Ostseite des Broadways befand sich das St. Cloud Hotel, das teilweise in den Aufnahmen reinragt und das auf den kleinen nachfolgenden Zeichnungen verewigt ist. 






     from the collection of the museum of the city of New York



    Die nächste Aufnahme von 1898 hatten wir hier schon öfter, sie zeigt die Südseite des dreieckigen Grundstücks, das bis heute den Times Square nach unten abschließt. 

    Byron Company, Broadway and 42nd Street, 1898, from the collection of the museum of the city of New York


    Im Vordergrund führt der Broadway vorbei, links geht die 42nd Street hinauf nach Westen und in der Bildmitte führt die 7th Avenue auf der anderen Seite nach Norden. Auf dem Grundstück mit der Theaterreklame rechts wurde kurze Zeit später das kurzlebige Pabst Hotel errichtet. 

    Pabst Hotel, from the collection of the museum of the city of New York

    Hier ist der Blickwinkel genau von der anderen Seite, im Vordergrund verläuft wieder die 42nd Street, nach links verläuft die 7th Avenue und hinter dem Hotel Pabst der Broadway. 

    Ich habe dem Pabst Hotel vor ziemlich genau einem Jahr einen ausführlichen Beitrag gewidmet, deshalb fasse ich mir hier jetzt mal kurz. Wer mehr erfahren möchte, kann sich hier schlau machen: 


    Die Folge 1 möchte ich mit einer zunächst ungewöhnlichen Photographie abschließen, die 1890 entstanden sein soll:

    42nd Street, ca 1890, from the collection of the museum of the city of New York


    Auch das ist ein Teil der Geschichte der 42nd Street. Denn die war zwar nicht vollständig, wohl aber für einen kurzen Abschnitt von einer Hochbahnstrecke überbaut. 


    Rot ist in dieser Karte von 1904 die damals nagelneue erste U-Bahnstrecke IRT, blau sind die vier Hochbahnstrecken, (2nd Ave El, 3rd Ave El, 6th Ave El und 9th Ave El), die vornehmlich auch von Süd nach Nord und zurück führten. 



    Die Strecke der Third Avenue Elevated Railway hatte auf Höhe der 42nd Street aber einen kleinen Ausreißer, der in einen Sackbahnhof oder besser gesagt, eine Sackstation führte. Der Grund für diesen bilddarmartigen Ausreißer liegt auf der Hand: Die Hochbahntrasse führte bis vor die Tür des größten Bahnhofs in New York City, des Grand Central Terminals. 

    Die sogenannte "42nd Street Spur" als Seitenarm der 3rd Ave El war von August 1878 bis Dezember 1923 in Betrieb. 

    Ich denke, wir werden in späteren Folgen bestimmt noch Photos von der Hochbahnstation und der Trasse zwischen Third Avenue und Grand Central Station zu sehen bekommen. 

    Achso, da hier die markante Fassade des Grand Central Depots nicht zu erkennen ist, gehe ich davon aus, dass das Photo von der Hochbahnstation am Bahnhof aus in östliche Richtung aufgenommen wurde, man also auf den Verlauf der Hochbahntrasse oberhalb der 42nd Street über die Lexington Avenue und bis hin zur Third Avenue blickt. 



    Die Station in der Bildmitte im Hintergrund müsste demnach die 42nd Street Station der 3rd Ave El sein. Und dieses Gebäude hier in Gelb markiert vermute ich an der Stelle, an der heute das Chrysler Building steht:


    Damit endet die erste Folge der Miniserie über die Geschichte der 42nd Street. Die nächste Folge erscheint in Kürze. 

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. 


    FORTSETZUNG FOLGT




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  • 03/08/17--09:13: Urlaubsgruß
  • photo by Schaedel


    Liebe Blogleserinnen und -leser, ich habe Euch nicht vergessen und eigentlich hatte ich auch vor, die Serie über die 42nd Street während meines Urlaubs fortzusetzen. Aber ich war so schlau, eine Unterkunft aufzusuchen, die (noch) nicht mit WLAN ausgestattet ist, passenderweise ist der IT-Klempner für April 2017 angekündigt, um dann die Ferienwohnung anzuschließen. GRRRRR.

    Na gut, dann muss der Blog eben wieder pausieren. Letzte Wochenende war ja schon Pause und am kommenden Wochenende wird es genauso sein. Die nächste Veröffentlichung folgt dann wahrscheinlich am dritten Märzwochende. 

    Wie Ihr seht, sitze ich gerade in einem schottischen Feinkostgeschäft in der Nähe, aber die "Arbeit" an einem Beitrag dauert definitv zu lange, um das mal eben hier unter den goldenen Bögen zu machen. 

    Dafür habe ich am Urlaubsort aber schon Anregungen für einen weiteren Beitrag geholt, den ich dann nach meiner Rückkehr realisieren werde. Denn es gibt auch eine nicht uninteressante historische Verbindung zwischen meinem Urlaubsort und New York City, von der ich bisher nichts wusste. 

    Bis dahin
    Tschau, der Schaedel.



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  • 03/19/17--14:04: Steubenhöft


  • Das hier ist das erste Mitbringsel aus meinem unlängst geendeten Urlaub in Cuxhaven. Als ich dorthin gefahren bin, war mir noch nicht klar, dass es eine bedeutende Verbindung zwischen Cuxhaven und New York City gibt. Und die heißt Steubenhöft. 

    Steuben kommt natürlich von General Friedrich Wilhelm von Steuben, zu dessen Ehren die New Yorker noch jedes Jahr die Steubenparade durch ihre Straßenschluchten ziehen lassen. Und Höft ist wohl ein altertümliches norddeutsches Wort für Halbinsel. 

    google maps

    Für alle Feinde der Erdkunde und Orientierungswunder hier die Position von Cuxhaven auf der Karte, nämlich am äußersten Südrand der Elbemündung.



    Der rote Pfeil weist bereits auf die Halbinsel Steubenhöft und da, wo oben Kugelbake steht, befindet sich der nördlichste Punkt des Bundeslandes Niedersachsen.



    Und hier haben wir Steubenhöft in seiner ganzen gegenwärtigen Pracht. Wer heute einen Flughafen betritt, um die Vereinigten Staaten zu fliegen, wird diese undefinierbare Kribbeln kennen, das einen befällt, wenn man davor ist, den heimischen Kontinent zu verlassen und die Ferne zu verreisen. 

    Und ein ähnliches Gefühl hat früher sicherlich auch von den Menschen Besitz ergriffen, die auf dieser Halbinsel angekommen sind, um dann genau das Gleiche zu machen: den heimischen Kontinent verlassen, häufig für immer. 

    Denn Cuxhaven war einst ein Auswandererhafen, über den 5,5 Millionen Menschen Europa verlassen haben, viele davon in Richtung New York City und Steubenhöft der Kai, an dem die großen Pötte anlegten, die die Menschen in die Neue Welt brachten. 



    Ursprünglich sind die Menschen natürlich von der großen Stadt an der Elbe, Hamburg, ausgewandert. Doch irgendwann wurden aus den Segelschiffen Dampfschiffe und aus den Dampfschiffen große Passagierdampfer und das wurde wohl irgendwann zu schwierig, diese Teile noch in den Hamburger Hafen zu manövrieren. 

    Doch da gab es ja noch Cuxhaven und Cuxhaven war nicht immer eine eigenständige Stadt, so wie heute, sondern bis 1937 ein Stadtteil von Hamburg. Und deshalb fiel es den Hamburgern nicht sonderlich schwer, ihr Problem mit den großen Pötten im Hafen zu lösen, die legten einfach zukünftig im Stadtteilhafen an der Elbemündung an. 



    Die Hapag-Hallen waren bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, um Passagierschiffe angemessen abfertigen zu können und diese Anlage wurde dann ab 1911 um einen Anleger erweitert, an dem die riesigen Schiffe der transatlantischen Linien anlegen konnten.



    Und der transatlantische Verkehr an der voll ausgebauten Anlage von Steubenhöft begann am 11.03.1914, als sich die "Imperator" auf den Weg nach New York City machte. 



    Tatsächlich hatte der Schiffverkehr der Hapag zwischen Cuxhaven und New York aber bereits im Jahr 1889 mit der Ankunft der "Hammonia" aus New York begonnen.






    Der Dampfer Resolute, etwa im Jahr 1924:




    Hier sehen wir den Anleger in den 1950ern, als der Transatlantikverkehr sich langsam von den Schiffen auf die Flugzeuge zu verlagern begann. Beide Bilder zeigen die Hanseatic. 




    Anfang der 1970er wurde der Linienverkehr nach Übersee eingestellt. Die Anlage wird aber bis in die Gegenwart weitergenutzt für Kreuzfahrtschiffe und Fährschiffe.


    Wikis:



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  • 03/26/17--08:39: Forty Second Street - Part 2
  • 42nd Street, ca 1912, from the collection of the museum of the city of New York


    Nachdem seit dem ersten Teil von "Forty Second Street" schon fast wieder ein Monat ins Land gezogen ist, scheint es an der Zeit, den nächsten Teil hinzuzufügen.

    Für die, die Teil 1 nicht mehr auf dem Schirm haben:
    http://nygeschichte.blogspot.de/2017/02/forty-second-street-part-1.html

    Ansonsten will ich dieses Mal nicht lange schnacken, sondern direkt wieder in die bunte Vergangenheit der zweiundvierzigsten Straße in Manhattan abtauchen.

    Byron Company, Broadway and 42nd Street, 1909, from the collection of the museum of the city of New York


    Zum Einstieg etwas einigermaßen Vertrautes: der ganz frühe Times Square im Jahr 1909, vom Süden her gesehen, mit hoher Wahrscheinlich vom Times Building aus fotografiert. Das langezogene X, wo sich Seventh Avenue und Broadway kreuzen, sieht man rechts. Der größte Teil des Bildes wird vom Hotel Astor eingenommen, das von 1904 bis 1967 an der Westseite des Times Squares auf Höhe der 44th Street stand.


    Die Photographie ermöglicht auch einen schönen Blick auf den Dachgarten des Hotels, der zum Zeitpunkt der Aufnahme zumindest im vom Times Square abgewandten Teil ganz gut besucht gewesen zu sein scheint. Vielleicht gab es zu diesem Zeitpunkt auch irgendetwas interessantes auf dem Hudson River zu sehen, zu dem man vom Hotel aus als Aussichtspunkt sicherlich gut hinüberblicken konnte, vielleicht die Ankunft eines bekannten Schiffes. 







    Die interessante Tradition der Rooftop Gardens hat sich in New York ja bis in die Gegenwart gehalten. Besonders viele dieser Exemplare hat man im frühen 20. Jahrhundert am Broadway und im Umfeld des Times Squares gefunden. 

    Von der nachfolgenden Aufnahme, die von der 42nd aus den Broadway hoch in nördliche Richtung aufgenommen wurde und auf der man das Hotel Astor im Hintergrund sieht, ist der Entstehungszeitraum leider nicht bekannt, wegen der Anwesenheit des Hotels Astor ist sie aber wahrscheinlich nach 1903 entstanden. 

    Broadway and 42nd Street, from the collection of the museum of the city of New York


    Ich vermute, dass sie während des Baus der ersten New Yorker U-Bahn-Linie (IRT) entstand, die auch über die 42nd Street und den Times Square verlief. Das würde die nicht unerhebliche Baustellenpräsenz auf dem Broadway erklären, die man hier sieht. 

    Wenn man zu jener Zeit statt den Times Square hinauf in die 42nd Street (westliche Richtung) hineinblickte, bot sich dieses Bild: 

    Byron Company, New Amsterdam Theatre, 42nd Street, 1903, from the collection of the museum of the city of New York


    Dass in der 42nd Street mal Fliesen verkauft wurden (Wood Mantels Tiles) oder sogar ein Gotteshaus stand, kann man sich angesichts der weiteren Entwicklung gerade dieses Straßenabschnitts heute kaum noch vorstellen, die Aufnahme ist andererseits aber auch schon 114 Jahre alt. 

    Über das New Amsterdam Theatre, das man im Bildmittelpunkt findet, habe ich vor über drei Jahren mal recht ausführlich geschrieben: 

    Diese Nachtaufnahme der 42nd Street von 1919 war damals noch nicht verfügbar, deshalb möchte ich sie ergänzen. Wie man sieht, ist die Kirche in den 16 Jahren seit der Aufnahme oben bereits verschwunden und durch ein Hochhaus ersetzt worden. 



    Die hier festgehaltene Erscheinungsform der 42nd Street im Times Square-Umfeld mit üppiger Neonbeleuchtung hat sich im Prinzip bis heute gehalten, wenn sich auch die thematischen Schwerpunkte im Laufe der Zeit immer mal wieder verlagert haben. 

    Links oben sieht man ganz hoch auf dem New Amsterdam Theatre noch eine Werbung für Ziegfeld Frolic, eine exklusive Tanzdarbietung im Dachgarten des Theaters. Und dort trat während des Ersten Weltkriegs Olive Thomas als Tänzerin auf, die 1920 auf tragische Weise ums Leben kam und bis zum heutigen Tag im New Amsterdam Theatre spuken soll. 



    Wir bleiben noch mal kurz im Umfeld von 42nd Street und Times Square, springen aber in der Zeit weit nach vorne bis zum Beginn der 1980er, als diese Gegend unter dem Namen "The Deuce" bekannt und so etwas wie die Reeperbahn von Manhattan war. Dort entstanden die zwei nachfolgenden Aufnahmen des Starfotografen Andreas Feininger, der präzise festgehalten hat, mit was für Artefakten zu jener Zeit am Times Square gehandelt wurde. 


    Andreas Feininger, West 42nd Street, 1981, from the collection of the museum of the city of New York


    Verlassen wir nun den Times Square und die frühen 1980er und springen zurück in die späten 1930er, als zwischen Broadway und 6th Avenue an der Südseite der 42nd Street ein Hochhaus aufgenommen wurde.

    Byron Company, Bush Terminal Building, 130 West 42nd Street, 1938, from the collection of the museum of the city of New York


    Eine großartige Aufnahme oder?  Es geht hier um das Bush Terminal Building an der Hausnummer 130 West 42nd Street, das 1938 in das Zentrum der Aufnahme gerückt, aber schon von 1916 bis 1918 gebaut wurde. 


    Die hinter den Kulissen des Blogs für den Schreiber verfügbare Suchmaschine hat mir verraten, dass ich über das Bush Terminal Building bisher noch nichts geschrieben habe. Deshalb erlaube ich mir mal einen kleinen Exkurs, der andererseits ja an der 42nd Street und damit beim Thema bleibt. 

    Vernon Howe Bailey, Bush Tower under Construction form 5th Avenue and 42nd Street, 
    1917, from the collection of the museum of the city of New York

    Auf der Zeichnung oben sieht man das Bush Terminal Building während der Bauphase im Jahr 1917. Der Zeichner Vernon Howe Baily scheint auch am fertigen Hochhaus seinen Spaß gehabt zu haben, denn 1924 hat er es noch dreimal von unterschiedlichen Standorten aus gezeichnet. 

    Vernon Howe Bailey, Bush Tower from Broadway and 40th Street, 1924 from the collection of the museum of the city of New York


    Vernon Howe Bailey, Bush Tower from 6th Avenue and 48th Street, 1924, from the collection of the museum of the city of New York


    Vernon Howe Bailey, Bush Tower from West 40th Street over Bryant Park, 1924, from the collection of the museum of the city of New York


    Aber es gibt natürlich nicht nur Zeichnungen, sondern auch Photographien vom historischen Bush Terminal Building. Wie zum Beispiel diese zwei Postkarten: 

    Success Postal Card Co, The Bush Terminal Sales Building, ca 1915, from the collection of the museum of the city of New York


    Haberman's, The Bush Terminal Sales Building, 1920s, from the collection of the museum of the city of New York


    Diese Aufnahme ähnelt dem Ausgangsfoto, ist aber bereits 1920 aufgenommen worden, also 18 Jahre vor dem anderen, welches ich noch mal zum Vergleich darunter setze. 

    Byron Company, Bush Terminal Building, from the collection of the museum of the city of New York



    Bereits auf dem 1938er-Foto war mir das kleine Gebäude mit dem Uhrenturm zwei Häuser links neben dem Bush Terminal Building aufgefallen. Auf dem 1920er-Foto ist es noch etwas besser zu erkennen. 



    Wunderschön oder? Da das Bild in der Sammlung in hoher Auflösung hinterlegt ist, lohnt sich auch hier, noch näher heranzugehen: 









    Hier nochmal eine Vergrößerung aus der Aufnahme von 1938:



    Leider habe ich auf die Schnelle nicht mehr über das Uhrenturmgebäude herausfinden können. Aber vielleicht begegnet es uns ja später auf der Reise nochmal. Eins kann ich aber sagen: im Gegensatz zum Bush Terminal Building ist das kleine Uhrenturmgebäude nicht mehr existent.

    google street view


    Diese Fotografien neueren unbekannten Datums verraten zumindest, dass vor dem Glaskasten auch schon eine Ersatzbebauung gestanden hat und nicht mehr das Uhrenturmgebäude:




    Gehen wir mal weiter zu einem anderen Blickfang. Auf der 1920er-Aufnahme (und auch auf der 1938er) fällt am rechten Rand ein großzügig ausgestattetes Hochhaus auf. 



    Man sieht auf dem Dach eine noch nicht angeschaltete Leuchtreklame mit dem Namen des Gebäudes, mal schauen, ob ich die noch näher heranbekomme....



    ... na bitte, wenn das mal nicht das HOTEL KNICKERBOCKER ist. Mal schauen, ob das passt...



    Passt, würde ich sagen und steht heute noch. 



    Das Knickerbocker wurde 1906 eröffnet und blickt auch schon auf eine 110jährige Geschichte zurück. 

    Hier haben wir noch zwei historische Aufnahmen vom Bush Terminal Building, bei denen der Photograph seinen Standort am Bryant Park hatte. 


     John Wallace Gillies, View of Bryant Park and Bush Tower, from the collection of the museum of the city of New York


    Und noch ein alternativer Blick auf die historische 42nd Street rund um den Bush Tower, aufgenommen in den 1930ern:

    http://vintagemanhattanskyline.tumblr.com/page/18


    Das Bush Terminal Building - auch Bush Tower genannt - steht bis in die Gegenwart an der 42nd Street und wird demnächst seinen 100. Geburtstag feiern. 



    Die Spitze des Gebäudes kann man hier quasi "aus der Nähe" bewundern:



    Sehr viele Gebäudeklassiker sind in der direkten Umgebung wohl nicht stehen geblieben, man gewinnt den Eindruck, dass dieser Bereich vor allem von Glaspalästen geprägt ist. 



    Einen Blick in das Innere möchte ich nicht vorenthalten, es geht per Video in das 20. und das 22. Stockwerk des 29 Stockwerke hohen Gebäudes. Leider kann man die Videos nicht einbetten, deshalb folgen hier die Links: 




    Ich könnte noch ein zwei Stunden weitermachen, aber leider drängt die Zeit, in einer halben Stunde bin ich zum Essen eingeladen. Deshalb schließe ich diese Folge mit den nachfolgenden zwei Photos des Croton Reservoirs, das wir auch schon in der ersten Folge kennengelernt haben und die ich bisher noch nicht kannte. Heute steht an dieser Stelle die New York Public Library, an der Kreuzung 42nd Street / Fifth Avenue. 



    Da das Croton Reservoir bereits 1899 abgerissen wurde, sollte man davon ausgehen, dass die Photographien in den Jahr(zehnt)en davor entstanden sind. 











    - F O R T S E T Z U N G   F O L G T -


    P.S. Auf die Antworten zu den Rätseln in der ersten Folge wollte ich eigentlich auch noch hier eingehen, aber dazu fehlt wie gesagt die Zeit. Dann eben beim nächsten Mal...


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  • 04/02/17--07:22: The Flapper (1920)


  • In der letzten Woche habe ich mich mal wieder dazu hinreißen lassen, Olive Thomas hier im Blog zu erwähnen. Es scheint so, dass die gute Olive sich auch so langsam aber sicher in die Liste der Themen einreiht, zu denen ich in unregelmäßigen Abständen immer wieder zurückkehre. Ich finde die tragische Geschichte von der bereits im September 1920 verstorbenen Schauspielerin, die angeblich immer noch als Gespenst im New Amsterdam Theatre an der 42nd Street erscheinen soll, aber auch einfach großartig, ein fantastisches Exemplar einer Großstadtsage. 

    Vor ihrem frühen Tod trat sie ab 1917 in diversen Filmen auf, darunter ist der noch erhaltene Stummfilm "The Flapper", der im Mai 1920 uraufgeführt wurde, einer der bekanntesten. Der in diesem Film erstmals vorgeführte und damals noch sehr ungewöhnliche Lebensstil einer Frau, die kurze Haare trägt, Alkohol trinkt, raucht und wilde neumodische Musik (in diesem Fall Jazz) hört, sollte in den 1920ern eine ganze Generation mitprägen. Kommt einem irgendwie bekannt vor, auch wenn es schon fast 100 Jahre her ist. 

    Ich hatte letzte Woche während des Schreibens der zweiten 42nd Street-Folge mal einen kurzen Blick in den Youtube-Stream von "The Flapper" riskiert und dort zwischen vielen Studioszenen auch eine kurze Sequenz mit interessanten Außenaufnahmen aus New York City entdeckt. 




    Die interessante Sequenz beginnt im Film ab Minute 51:00 mit einem Telegramm aus New York City an die Hauptdarstellerin:



    Die Außenaufnahmen werden mit diesem Zwischentitel eingeleitet (Alleine in der bösen Stadt):



    Dann sieht man das Oberdeck eines zweistöckigen Stadtbusses, der auf einer vielbefahrenen und -genutzten Großstadtstraße unterwegs ist. 



    Die junge Ginger (Olive Thomas) betritt über eine von unten hochführende Treppe das Oberdeck des Busses samt einem Köfferchen...




    ... und blickt sich staunend um, während der Bus langsam seinen Weg entlang der Hauptstraße fortsetzt. 






    Währenddessen kommt ein Herr fortgeschrittenen Alters auf das Oberdeck...





    ... der einen von ihr fallengelassenen Handschuh? Taschentuch? aufnimmt und zurückreicht. 




    Der sich anschließende Anbandelungsversuch verläuft allerdings nicht erfolgreich, wie man sieht denn Ginger steht abrupt auf und verlässt sofort das Oberdeck:




    Auch wenn diese Sequenz nur knapp zwei Minuten dauert und leider die einzige Außenaufnahme im Film ist, die die Stadt New York wiedergibt, so finde ich sie dennoch großartig. Über ein kleines Zeitfenster von zwei Minuten ist so ein Eindruck vom Manhattan der ganz frühen 1920er konserviert worden. 

    Schaut man mal die Sequenz losgelöst von der Handlung, so bekommt man den Eindruck, dass der Bus die gleiche Straße ein paar Mal hinauf und wieder hinunter gefahren ist. Jener markante Turm erscheint jedenfalls mehrfach. 

    Ich habe auch schon so eine Ahnung, wo das gefilmt worden sein könnte, denn der Turm wurde hier im Blog schon früher erwähnt. Ich habe einfach mal "Traffic Tower" durch die für Blogautoren zur Verfügung stehende Suchmaschine geschickt und den Beitrag gefunden, die meine Vermutung voll bestätigt hat. Das war nämlich der erste Teil aus der Miniserie über die jüdische Synagoge "Temple Emanu El".


    Bei der Hauptstraße, auf der die Filmsequenz entstanden ist, handelt es sich um die Fifth Avenue in New York. Und nicht nur das: passend zu der Serie über die 42nd Street handelt es sich bei dem Drehort auch noch genau um die Umgebung des Schnittpunktes der Fifth Avenue mit der 42nd Street. 

    Fifth Avenue and 42nd Street, New York, ca 1906, from the collection of the museum of the city of New York


    Auf dieser Photographie sehen wir schon einmal die markanten doppelstöckigen Busse, die im Film als Aufnahmeort genutzt wurden. Eine Postkarte vom Traffic Tower darf natürlich auch nicht fehlen:

    Traffic Tower, 5th Avenue and 42nd Street, Looking North, ca 1914, from the collection of the museum of the city of New York


    Und hier ist jener Kreuzungspunkt, an dem die Sequenz entstanden ist:

    5th Avenue and 41st Street North 1915, from the collection of the museum of the city of New York


    Das auffällige Gebäude, das man hier auf der Panoramaaufnahme im Hintergrund links sieht und das auch ein wesentlicher Teil der Großstadtkulisse während der Filmsequenz darstellt, ist das Hotel Bristol an der Ecke 42nd Street / Fifth Avenue. 




    Das Hotel Bristol wurde 1875 eröffnet und stand bis zum Ende der 1920er an dieser prominenten Stelle, also gut 50 Jahre. 1930 wurde dort ein moderner Wolkenkratzer errichtet mit dem Namen 500 Fifth Avenue, der bis heute dieses Grundstück besetzt. 


    Wem das Hotel Bristol als Bildbeweis noch nicht ausreicht, für den habe ich noch einen anderen untrüglichen Anhaltspunkt. Während der Fahrt die Fifth Avenue hinab sieht man links neben dem Bus mehrfach ein bis zwei steinernde Miezekatzen. 



    Zusätzlich zu den Miezekatzen schiebt sich ganz links noch eine Art griechischer Tempel ins Bild, der aber im letzten Abschnitt der Sequenz wieder verschwindet, weil der Bus da an einem anderen Teil der Straße entlang fuhr, als die Aufnahme lief. 

    Kenner der Gegend, Freunde der 42nd Street und / oder Fifth Avenue und Roland Emmerich-Fans wissen natürlich, dass es dort an der Ecke 5th Ave / 42nd Street tatsächlich seit vielen Jahren ein Gebäude gibt, das wie ein klassischer Tempel aussieht, nämlich die Öffentliche Bibliothek der Stadt New York, die New York Public Library. 




    Und damit soll der Beitrag über den Außendrehort des Stummfilms "The Flapper" dann auch enden.


    Wikis:



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    Battery Park showing Custom House, Battery Park and Chesborough Buildings, ca 1916, from the collection of the museum of the city of New York


    Abteilung Leserbriefe. Am vergangenen Wochenende hat mich ein sehr freundlicher Leserbrief erreicht, in dem neben anderem auch um eine Gebäudesuche ging. Es handelt sich dabei um das Battery Park Building (Adresse 21-24 State Street) und das Chesborough Building (Adresse 15-19 State Street).  Kein Problem, mache ich gerne und löse ich direkt mal hier in einem kurzen Beitrag auf. 

    Das gesuchte Battery Park Building ist auf dem Photo oben das Gebäude in der Bildmitte und das Chesborough Building ist jenes auf der rechten Seite. Es scheint auch noch die Schreibweise Chesebrough Building dieses Gebäude zu geben, aber dazu später. Links und ungesucht ist das Custom House. 

    Byron Company, The Battery, 1905, from the collection of the museum of the city of New York


    Auf der zweiten Aufnahme sehen wir links die Bowling Green Offices und das Washington Building an 1 Broadway in seiner ursprünglichen Erscheinungsform. In der Mitte mit heller Fassade das Custom House, überragt vom Turm der dunklen Produce Exchange dahinter. Rechts im Bild das Battery Park Building und ganz links und nur mit einem schmalen Streifen im Bild das Chesborough Building. 

    Broadway and the Battery, ca 1915, from the collection of the museum of the city of New York


    Die gleiche Kulisse nur von einem etwas höher gelegenen Standort aus betrachtet, wahscheinlich vom Whitehall Building aus. Links im Bild und im Vordergrund wieder die Bowling Green Offices mit dem Washington Building davor, rechts schräg dahinter das Custom House und daran anschließend mit viereckig / quadratischem Grundriss das Battery Park Building und faszinierenderweise tortenstückartigem Grundriss das Chesborough Building. Davor sehen wir die damals noch voll im Betrieb befindliche Hochbahntrasse der 9th Avenue und 6th Avenue Elevated Railway, deren Züge am South Ferry Anleger im Bildhintergrund rechts ihre südlichste Haltestelle hatten.

     Irving Underhill, Battery Park 1906, from the collection of the museum of the city of New York


    Auch diese Aufnahme von 1906 zeigt die inzwischen bereits mehrfach beschriebene Gebäudekonstellation. 

    Eine Einzelaufnahme des Battery Park Buildings von 1923, das irgendwann in den vorausgegangenen Jahren wohl noch zusätzliche Stockwerke erhalten hat:

    Battery Park Building, 21-24 State Street, 1923, from the collection of the museum of the city of New York


    Diese Aufstockung kann man auch auf der nachfolgenden Photographie von 1928 erkennen:

    Battery Park, 1928, from the collection of the museum of the city of New York


    Sprung gut zwei Jahrzehnte zurück: die Battery 1903:

    Battery from New York Harbour, 1903, from the collection of the museum of the city of New York


    Noch eine Aufnahme von 1906 und eine von 1920: 

    The Battery 1906, from the collection of the museum of the city of New York


    Battery Park, Custom House and State Street buildings, June 7 1920, from the collection of the museum of the city of New York


    Interessant ist noch diese Aufnahme, die erst recht spät in den Suchergebnissen auftaucht und die wahrscheinlich um das Jahr 1896 entstanden ist:

    Battery Water Front, ca 1896, from the collection of the museum of the city of New York


    Ganz links sieht man das Washington Building, das Gebäude mit der hellen Fassade links im HIntergrund und dem kleinen würfelartigen Türmchen an der Broadwayseite ist das alte Standard Oil Building in der Version von 1895. Teilweise verdeckter Orientierungspunkt in der Mitte des Bildes ist die Produce Exchange mit dunkler Fassade und fast vollständig verdecktem Turm. Das Custom House steht offenbar noch nicht. Und das Battery Park Building hat offenbar noch ein Stockwerk weniger als die Version, die auf den Bildern ab dem frühen 20. Jahrhundert zu sehen ist. Das Chesborough Building war zu jenem Zeitpunkt noch gar nicht gebaut, sondern allenfalls eine Zeichnung auf dem Reißbrett eines Architekten. 

    Mit Chesborough Building habe ich nur das Photo zu Beginn des Beitrags gefunden, unter der alternativen Schreibweise Chesebrough Building, die auch im Leserbrief verwendet wurde, tauchen aber noch einige weitere Photos auf. 

    State Street at the corner of Pearl Street. Chesebrough Building, ca 1910, from the collection of the museum of the city of New York


    Und zuletzt noch eine ungefähr 117 Jahre alte Einzelaufnahme vom Chesebrough / Cheseborough Building: 

    State Street and Pearl Street, Chesebrough Building, ca 1900, from the collection of the museum of the city of New York


    Ein Sprung in die frühen 1960er: wir sehen die Skyline von Südmanhattan und mittendrin kann man immer noch das Battery Park Building und das Chesebrough Building erkennen:






    Aber was jetzt kommt, könnt Ihr sicher schon ahnen. Die 1960er sind sicherlich nicht als das Jahrzehnt in die Geschichte eingegangen, in dem man in New York nett mit historischen Gebäuden umgesprungen ist. Und infolge dessen konnten sich das Battery Park Building und das Chesborough Building in der langen Reihe der Lost Buildings von New York anschließen. 

    Hier ein paar Impressionen von Südmanhattan aus dem Jahr 1969:






    Heute sieht es dort nochmal wieder anders aus, denn jenes Gebäude mit der sechseckigen (?) rotbräunlichen Fassade ist ebenfalls schon geraume Zeit Geschichte und wurde durch einen modernen Glaspalast ersetzt.




    Ich hoffe, ich konnte die Suchanfrage damit erstmal erschöpfend beantworten. 





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  • 04/02/17--09:52: Beach Pneumatic Transit


  • Noch so ein Thema, zu dem man immer mal wieder zurückkehren kann und muss. Muss, weil das Netz ja in ständiger Bewegung ist und neues Material verfügbar wird, das bei der letzten Suche noch nicht greifbar war. 

    Im Jahr 1870, als das Deutsche Reich mit dem Nachbarland Frankreich im Krieg lag, wurde im Süden von Manhattan eine heimlich gebaute experimentelle U-Bahn ausprobiert und dem geneigten Publikum vorgeführt, die nach dem Rohrpostprinzip funktionierte. 



    So ganz habe ich Nichttechniker das Funktionsprinzip dieser allerersten U-Bahn in New York bis heute nicht verstanden, aber zum Glück gibt es seit einiger Zeit einen computeranimierten Film dieses legendären Gefährts, der zumindest schon mal ein paar Fragen beantwortet und nebenbei auch ein Fenster in jene Zeit vor fast 150 Jahren öffnet, als Beachs Pneumatic Transit tatsächlich zwei Stockwerke tief aus einem Kaufhauskeller heraus von der Warren Street aus knapp 100 Meter in einen Tunnel unter den Broadway fuhr. Und das in Steinwurfnähe zum New Yorker Rathaus. 

    Eins steht jedenfalls fest. Eine Fahrt mit der Rohrpostbahn dürfte nichts für Fahrgäste mit Klaustrophobie gewesen sein. 


    Genug geredet, jetzt nehmt Euch die Zeit, reist zurück in das Jahr 1870 und unternehmt eine Reise mit der pneumatischen Untergrundbahn von Alfred Ely Beach:






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    Vor einigen Wochen habe ich hier im Blog schon über Stübenhöft berichtet, den einstigen Amerika-Pier im Hafen von Cuxhaven. Cuxhaven ist als Auswandererhaven außerhalb von Norddeutschland aber eher unbekannt und was das Ablegen von Auswandererschiffen aus Kontinentaleuropa angeht, kennt man neben Rotterdam vor allem eine andere norddeutsche Stadt: Bremerhaven

    Vor etwa zwei bis drei Jahren erhielt ich durch Thomas R. aus der Stammtischrunde, an der ich jeden Sonntagmorgen teilnehme, das erste Mal einen Hinweis auf das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven. So nach dem Motto: "Du schreibst doch ständig über New York. Kennst Du eigentlich das Deutsche Auswandererhaus? Das musst Du Dir unbedingt mal ansehen, wenn Du mal nach da oben kommst, das passt total gut zu dem, was Du immer so veröffentlichst."

    Später habe ich den Tipp noch ein paar Mal bekommen, und zuletzt hat mir auch Dirk Stichweh das Auswandererhaus nochmals wärmstens ans Herz gelegt. 



    Also habe ich die räumliche Nähe während meines Urlaubs in Cuxhaven genutzt und dem Deutschen Auswandererhaus tatsächlich einen Besuch abgestattet. Und die Besuchsempfehlung kann ich ohne Bedenken weitergeben an alle, die sich hier im Blog gerne mit der Vergangenheit von New York beschäftigen, denn in diesem Museum in Bremerhaven wird durchaus etwas präsentiert, was auch mehr oder weniger eng mit der Stadtgeschichte von New York City verknüpft ist. Und die auf deutschem Boden erleben zu können, ist für eine Anhänger der New Yorker Stadtgeschichte ja durchaus praktisch. 



    Man hat sich einige Mühe gegeben, um für den Museumsbesucher die historischen Bedingungen einer Auswandererfahrt von Europa nach Amerika nachvollziehbar zu machen. Neben den museumsüblichen Schaukästen und -tafeln gibt es deshalb auch immer wieder Geschichte in Lebensgröße zu erleben. 

    Zum Beispiel das Betreten des Passagierdampfers zu später Abendstunde...





    ... oder die harten Bedingungen für die Auswanderer während der mehrwöchigen Überfahrt mit einem Segelschiff in den 1850ern.




    Der Fußboden der Ausstellung ist auch nicht ganz wasserwagengerecht, so dass man sich als Museumsbesucher ähnlich wie die Landratte auf hoher See fühlt.



    Neben der Segelschiffüberfahrt gibt es auch noch die Bedingungen der Überfahrt mit einem Schnelldampfer etwa um das Jahr 1880...



    https://www.bremerhaven.de/de/tourismus/museen-erlebniswelten/deutsches-auswandererhaus-bremerhaven.16123.html


    ... und mit einem Passagierdampfer 1929 (3. Klasse) anzusehen.


    Von Jürgen Howaldt - Eigenes Werk (selbst erstelltes Foto), CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=738714


    Das Erleben setzt sich auch nach Ankunft in der neuen Welt fort, als weitere Stationen durchläuft man Ellis Island und die Befragung durch einen Einwanderungsbeamten vor Ort...



    ...bis schließlich in einem Nachbau der Grand Central Station die simulierte Auswanderung und Einreise endet, dem Tor zum kontinentalen Nordamerika. 



    Auch wenn der Schwerpunkt der Informationen bei der Ausreise nach Nordamerika gesetzt wurde, erfährt man auch einiges Interessantes über anderer Auswandererziele wie zum Beispiel Südamerika oder Australien. Desweiteren gibt es in einem Anbau noch eine weitere Ausstellung, die sich anhand der Geschichten von Angehörigen verschiedener Nationen mit der Einwanderung nach Deutschland befasst. Die Lösung, dieses über eine nachgebaute Einkaufspassage der frühen 1970er aufzubereiten, halte ich aber nicht für so gelungen wie die Präsentation der Auswandererthematik. 

    Wer sich über den Beitrag hinaus noch weiter informieren möchte, kann das hier tun: 


    Zum Abschluss habe ich noch einen schönen Kurzfilm gefunden, der das alles noch einmal zusammenfasst:




    BONUSTRACK:

    http://melusines-welt.blogspot.de/2016/01/deutsches-auswandererhaus-bremerhaven.html


    Eine Verbindung zur eigenen Familiengeschichte kann man im Raum für Familienrecherche herstellen. Über die Terminals hat man Zugriff auf zwei große Datenbanken und kann beispielsweise die Daten derjenigen, die über Bremerhaven Europa verlassen haben auf Personen mit dem gleichen Nachnamen abklopfen oder auf solche, die aus dem gleichen Ort stammen wie man selbst. 

    Mir ist es nach zwei Anläufen gelungen, die Daten derjenigen aus dem Computer zu kitzeln, die den nordamerikanischen Ast meiner Familie begründet haben. Im September 1933 ist nämlich eine Schwester meiner Großmutter mütterlicherseits zusammen mit ihrem belgischen Ehemann auf der "Bremen"über Bremerhaven nach New York City ausgewandert. Dieser war gelernter Orgelbauer, ein in Nordamerika sehr nachgefragter Beruf, was eine gute Ausgangsposition für den Neustart in den Vereinigten Staaten bedeutete. Nach der Ankunft in der neuen Welt ließen sich die zwei in Waynesboro, einer Kleinstadt im Staat Virginia nieder und gründeten dort eine Familie, die sich im Laufe der Jahre zunächst auf sechs Köpfe vergrößerte. Einer der Cousins meiner Mutter studierte Mitte der 1960er an der Universität in Darmstadt Physik und war bei der Hochzeit meiner Eltern 1966 als Trauzeuge eingespannt. Heute bewegt sich die Zahl der Köpfe dank einiger Ehepartner, Enkel und Urenkel schon lange im zweistelligen Bereich, dafür ist aber die Generation der Auswanderer von 1933 nicht mehr unter den Lebenden. Der bekannteste Spross der dortigen Familie ist John Wetzel, auch ein Cousin meiner Mutter: https://en.wikipedia.org/wiki/John_Wetzel







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    Im März habe ich einen netten Leserbrief von einem "Kollegen" erhalten, der ebenfalls über die Vergangenheit im Internet schreibt. Dabei handelt es sich um einen Blog mit dem Titel "Erste Amerika-Fahrt Deutscher Konditoren 1929", auf den ich hier gerne einmal aufmerksam machen möchte. 



    Der Großvater des dortigen Blogschreibers hatte 1929 an der 1. Amerikafahrt Deutscher Konditoren teilgenommen, die u.a. nach New York City führte und an die er sich später gerne erinnert und von ihr erzählt hat. Aus dem Nachlass des Großvaters sind ein Fotoalbum und ein Reisebericht erhalten geblieben sowie die 1926er-Ausgabe von King's Views of New York City, die die inhaltliche Grundlage für den Blog bildeten. 

    Ich will auch gar nicht mehr lange herumerzählen und Euch aufhalten, springt einfach mal rüber zu dem Blog und schaut Euch dort um, das ist alles mit viel Liebe zusammengetragen und es gibt einiges zu lesen da drüben. VIEL SPASS!!!







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    Dieser Beitrag ist ebenfalls durch einen Leserbrief ausgelöst und er dreht sich um "Horse Manure". Ich will mal gar nicht um den heißen Brei herumreden, es geht hier um Pferdescheiße

    Ich fand die Fragestellung einfach sehr interessant. So lange gibt es ja die Automobile mit den Verbrennungsmotoren noch nicht. In einer Metropole wie New York City wurde noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein großer Teil des öffentlichen Verkehrs mit von Pferden gezogenen Fahrzeugen bewältigt, egal ob Warentransport mit Pferdefuhrwerken oder Personentransfer mit Kutschen und Pferdeomnibussen. 



    Nun funktionieren die Verbrennungsmotoren der Pferde ja bekanntermaßen durch das Füttern mit Heu, Hafer, Äpfeln und Möhren und als Produkt des Stoffwechsels kommen dann nach Abschluss eben Pferdeäpfel aus den Huftieren. Und wenn man heute so auf die Straßen von New York schaut, wie viele Autos da unterwegs sind, dann kann man sich durchaus vorstellen, dass dort vor 120 Jahren auch eine ganz schön große Menge an Pferden unterwegs war, die eine ganz schön große Menge "Horse Manure" auf die Straßen von Manhattan und Umgebung haben fallen lassen. 

    Und aus dem Grund kam die Frage auf, wie die Straßen von New York damals ausgesehen haben mögen und vor allem, wie es damals dort gerochen haben mag. Ich befüchte, nach unseren heutigen Riechgewohnheiten wahrscheinlich ziemlich heftig. An verschiedenen Stellen im Netz werden Zahlen genannt, was da einst so an Färdepfäkalien auf dem Kopfsteinpflaster von New York City landete, ob die so stimmen oder nur wüst geschätzt sind, weiß ich nicht, ganz unrealistisch werden sie aber wohl nicht sein. 



    Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sollen sich auf dem Stadtgebiet von New York City permanent mehr als 150.000 Pferde aufgehalten haben. Diese 150.000 Pferde sollen pro Tag über 3.000.000 Pfund feste Ausscheidungen abgeworfen haben und dazu noch 40.000 Gallonen flüssiger Stoffwechselprodukte. Man kann davon ausgehen, dass die davon ausgehenden Gerüche nicht nur in der Nase gekitzelt, sondern auch der Zunge gebritzelt haben. Denn wenn es draußen länger nicht geregnet hatte, sind die Pferdeäpfel getrocknet und haben herrlich auf den Straßen herumgestaubt. Na denn Mahlzeit!

    Offenbar kamen die Erfinder der Verbrennungsmotoren und Selbstfahrer mit ihren Kreationen genau zur richtigen Zeit, denn in den 1890ern prognostizierte man für New York City, dass - falls sich nichts ändern würde - in den 1930ern die Scheiße in den Straßen bis zu den Fenstern im dritten Stock der Häuser reichen würde. 

    Deswegen war es damals nicht ungewöhnlich, dass in Konferenzen, die sich mit städtebaulichen Fragen beschäftigten, das Thema Pferdemist auf den Tagesordnungen ganz oben stand, weil es damals omnipräsent war. 

    Interessant finde ich, dass es zu dem Thema im englischen Sprachraum eine Reihe von einschlägigen Seiten gibt. Ob die alle ernst gemeint sind, konnte ich jetzt mal so auf die Schnelle nicht bewerten.





    Interessant finde ich auch, dass das Thema sich bisher noch nicht aufgedrängt hat, obwohl wir in den vergangenen 10 Jahren hier schon eine große Menge an historischen Fotos betrachtet haben, auf denen auch zahlreiche Pferdefuhrwerke abgebildet waren. Aber was ist mit den Pferdeäpfeln? Haben wir die einfach nur übersehen oder haben die Photographen ihre Geräte immer dann am Straßenrand aufgestellt, wenn gerade gefegt worden war?





    Frisch gereinigt? Naja, und das hier aus der Mulberry Street ist ja weltbekannt, aber da stehen soviel Zweibeiner auf der Straße herum, dass man die Hinterlassenschaften der Vierbeiner gar nicht mehr ausmachen kann:




    Aber vielleicht muss man einfach auch nur den richtigen Moment erwischen und entschlossen sein, ALLES zu fotografieren. 





    Na, das ist doch schon mal ein Anfang. Oder hier - lecker !





    Aber man braucht gar nicht unbedingt Shorpy mit seinen hochauflösenden Bilddokumenten. Auch hier kann ich was in der Bildmitte unten erkennen. 





    Wahrscheinlich muss man einfach nur richtig hinsehen. Das zeigt mir auch ein Besuch bei meiner gerne genutzten Bildquelle, dem MCNY:

    Horse Ambulance, ca 1915, from the collection of the museum of the city of New York


    Horse and wagon, ca 1870, from the collection of the museum of the city of New York


    Horse Show 1899 Madison Square Garden, from the collection of the museum of the city of New York


    Horse drawn water Tower, 1915, from the collection of the museum of the city of New York


    Horses, Durlands, 1891, from the collection of the museum of the city of New York


    Robert Bracklow, Street scene with pedestrians on the corner and horse and buggy, ca 1900, from the collection of the museum of the city of New York


    Robert Bracklow, Street scene with refuse dump and horse cart, ca 1900, from the collection of the museum of the city of New York




    Horse drawn fire truck, ca 1910, from the collection of the museum of the city of New York


    Ist schon interessant, wie schnell sich der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit verlagern kann, wenn man ein Randthema anschneidet. 

    Aber nun möchte ich auch Schluss machen, bevor sich noch jemand von mir veräppelt fühlt. Dann doch lieber eine Pferdedusche. 


    Free shower baths for horses only, ca. 1913, from the collection of the museum of the city of New York




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  • 05/28/17--06:44: Statue of Diana


  • Dieses Thema ist hier im Blog zwar nicht ganz neu, aber ich will heute mal den Fokus genau auf das Detail scharf stellen, das einst gut 30 Jahre lang die Spitze eines sehr bekannten und schon lange verlorenen Gebäudes am Madison Square in New York schmückte. 



    Bei der Dame, die mit der Statue verewigt wurde, handelt es sich um Diana, die in der römischen Mythologie unter anderem die Göttin der Jagd war, daher auch die Ausstattung mit den Attributen Pfeil und Bogen. Bei den Griechen hieß die Göttin Artemis


    Wie kam die römische Göttin nun auf die Spitze eines Gebäudes in New York? Dafür war unter anderem der Herr auf dem Photo oben verantwortlich. Der Name Augustus Saint-Gaudens klingt zwar nicht so, aber es handelte sich um einen einst sehr gefragten amerikanischen Bildhauer, der von 1848 bis 1907 lebte. Und der war wiederum mit diesem Herrn befreundet: 


    An Stanford White kommt man kaum vorbei, wenn man einen Blog über die Geschichte von New York City betreibt, denn das Architekten-Büro McKim, Mead and White entwarf in New York viele der Gebäudeklassiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts und des beginnenden 20. Jahrhunderts. 



    Der Architekt Stanford White (1853 - 1906) und der Bildhauer Augustus Saint-Gaudens waren beide Anhänger des neoklassischen Architekturstils Beaux-Arts, Und so überrascht es nicht, dass White seinen Freund Saint-Gaudens bat, eine Skulptur für sein neues Projekt zu kreieren. Bei diesem Projekt handelte es sich um den Neubau des Madison Square Gardens, einer Mehrzweckhalle, die sich in einem ehemaligen Eisenbahndepot an der Nordostecke des Madison Squares oberhalb der 26th Street zwischen Madison Avenue und Fourth Avenue befand. 



    Der Neubau der Mehrzweckhalle sollte als weithin sichtbaren Blickfang einen Turm nach dem Vorbild der Giralda, dem Minarett von Sevilla, erhalten. 

    Madison Square Garden, from the collection of the museum of the city of New York




    Und genauso wie das Vorbild in Sevilla sollte auch die neue Giralda in New York eine Bronzestatue als "Wetterhahn" erhalten, als krönenden Abschluss oben auf der Turmspitze. Und den Auftrag für diesen Wetterhahn erhielt Augustus Saint-Gaudens. Als der neue Madison Square Garden 1890 eröffnet wurde, befand sich noch keine Statue auf dem Turm.


    Bei der Dame oben handelt es sich um Julia Baird (1872 - 1932), genannt "Dudie", eine gebürtige New Yorkerin, die mit 17 Jahren für den Körper der Diana-Statue Modell gestanden hatte.



    Vorbild für den Kopf der Statue war dagegen Saint-Gaudens Langzeitmodell Davida Johnson Clark (1869-1910), eine gebürtige Schwedin, die mit ihrer Familie im Kindesalter nach New York City emigriert war.



    Diese Skulptur von Davida Johnson Clark aus dem Jahr 1886 gilt als frühe Studie, die später zu Saint-Gaudens berühmter Diana-Statue führte. 

    Hier sehen wir ein Modell der Statue, bei dem man schon ganz gut erkennen kann, was später einmal werden soll, aufgenommen zwischen 1887 und 1891: 

    Model for Diana sculpture for tower of Madison Square Garden, from the collection of the museum of the city of New York


    Interessant finde ich auch den Gedanken, dass die Entscheidung für Diana möglicherweise wegen des Madison Square Parks zu Füßen des Madison Square Gardens getroffen wurde, einem kleinen Wäldchen mitten auf der Stadtinsel Manhattan, in dessen Nähe die Göttin der Jagd nicht völlig deplaziert wirkte.

    Irving Underhill, Madison Square, ca 1899, from the collection of the museum of the city of New York


    Dianas Statue wurde 1891 fertiggestellt, war fünfeinhalb Meter hoch und wog 820 Kilogramm. Dieses Foto der Statue wurde in der Mullins Manufacturing Company in Salem, Ohio, aufgenommen, wo die Statue gegossen worden war: 



    Das vom Wind geblähte Tuch hinter Diana war dem Umstand geschuldet, dass die Statue durchaus als Wetterhahn gedacht war und deshalb eine Struktur benötigte, die auch geeignet war, den Wind einzufangen. Deshalb trat hier anstelle der gespreizten Schwanzfedern des Wetterhahns ein aufgeblähtes Tuch. Eigentlich sollte Diana mit den Zehenspitzen auf dem Ball balancieren. Die Metallfirma, die die Statue gießen sollte, war aber nicht in der Lage, die für die Wetterhahnrotation notwendige Stange durch die Zehenspitze der Statue zu führen. Deshalb musste die Statue umgestaltet werden und stand - etwas weniger anmutig wie ursprünglich geplant - mit der Ferse auf dem Ball. 

    Madison Square Garden, 1891, from the collection of the museum of the city of New York


    Nun war es Zeit für Dianas großen Auftritt. Ihr beabsichtigter Standort war damals 1891 durchaus an exponierter Stelle in New York City. Der 1890 fertiggestellte Turm war gut 92,5 Meter hoch und damit nach dem World Building (ebenfalls 1890) am City Hall Park das zweithöchste Gebäude in New York. 

    Am 29. September 1891 wurde die Diana-Statue auf der Spitze der Giralda enthüllt. Und gleich gab es Ärger. Zum zeigte sich die Göttin der Jagd vom Wind eher unbeeindruckt und weigerte sich, wie ein Wetterhahn auf der Turmspitze zu rotieren, was wohl an ihrem hohen Gewicht gelegen hat. Und dann gab es da noch diesen Herrn:


    Anthony Comstock (1844-1915) war der Begründer der New Yorker Gesellschaft für die Unterdrückung des Lasters und alles andere als begeistert darüber, dass jemand eine fünfeinhalb Meter hohe unbekleidete Frau über der Stadt aufgestellt hatte. 

    Um den zeternden Moralapostel zu besänftigen, hüllte Saint-Gaudens die Diana-Statue in Kleider. Hier hatte er aber die Rechnung ohne den Wind gemacht, der fand die Klamotten an der Statue total uncool und fegte sie kurzerhand davon. 

    Tower of Madison Square Garden, 1887-1891, from the collection of the museum of the city of New York

    Vielleicht waren es die zuvor beschriebenen Querelen, vielleicht aber auch nicht, jedenfalls kamen White und Saint-Gaudens schon kurze Zeit nach der Installation der Statue zu der Entscheidung, dass die Figur zu groß für das Gebäude war. Man beschloss, sie durch eine zweite, kleinere und leichtere Statue zu ersetzen. 

    Aerial View of Madison Square Garden, from the collection of the museum of the city of New York


    Infolgedessen wurde die ungeliebte Diana nach nicht einmal einem Jahr auf der Spitze des Madison Square Gardens wieder heruntergeholt und durfte in eine andere amerikanische Großstadt wechseln, nämlich nach Chicago. Dort fand 1893 die "World's Columbian Exposition" statt. Saint-Gaudens hätte sie dort gerne auf dem Frauenpavillon platziert, diese Absicht erntete aber wiederum Protest seitens einer Vereinigung christlicher Frauen, die angesichts der nackten Diana rot sahen. Stattdessen erhielt sie dann einen Platz auf der Spitze des "Agriculture Buildings". 






    Die erste Diana-Statue ist nicht bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Acht Monate nach Ende der Weltausstellung in Chicago brach im Juni 1894 auf dem Ausstellungsgelände ein schweres Feuer aus, bei dem auch die Statue teilweise zerstört wurde. 




    Was das Feuer noch von der Statue überließ, ging später verloren. Mit dem Ende der ersten Statue endet aber nicht die Geschichte der Diana-Statue auf dem zweiten Madison Square Garden-Gebäude. 

    Hier sind wir vermutlich im Jahr 1893, das Foto wurde aufgenommen, nachdem Statue Nummer Zwei fertiggestellt worden war. Im Hintergrund sehen wir noch ein Modell aus Stein, das Vorbild für die Metallstatue gewesen sein dürfte.



    Die gute Diana war von Saint-Gaudens nochmal deutlich überarbeitet worden, in der zweiten Version nahm sie eine elegantere Pose ein, auch weil sie jetzt wie ursprünglich geplant auf ihrer Zehenspitze auf dem Ball balancierte. Außerdem war sie dünner, ihre Brüste waren verkleiner worden, ihr Körper und ihre Beine standen in einem anderen Winkel zueinander. Vor allem aber war sie kleiner und leichter geworden. Kleiner, um ihre Proportionen im Verhältnis zu dem Turm, auf dem sie stehen sollte, harmonischer zu gestalten und leichter, damit zukünftig in der Lage war, den "Wetterhahn" auch zu bewegen. Die Größe schrumpfte von 5,5 auf 4.4 Meter, das Gewicht von 820 kg auf 318 kg, mehr als 60 Prozent weniger als die erste Version. Das war möglich, weil die Statue dieses Mal aus Kupfer bestand, von innen hohl. Ich denke, das muss man sich im Prinzip so wie die Freiheitsstatue vorstellen, nur eben in etwas kleiner. 

    Im Gegensatz zu Miss Liberty war Diana allerdings von außen vergoldet, was sie zu einem schwer zu übersehenden Blickfang machen sollte und das mit voller Absicht der Erbauer. Tagsüber würde die goldene Statue auf dem Madison Square Garten das Sonnenlicht reflektieren und so in der ganzen Stadt und auch in der Nachbarstadt New Jersey sichtbar sein, da Anfang der 1890er die Zahl der "Wolkenkratzer" in New York noch überschaubar war. Für die Nacht hatte man sich eine Attraktion ausgedacht, die zu diesem Zeitpunkt absolut neu war: Flutlichter würden die Statue anstrahlen und Diana zur ersten Statue machen, die dank elektrischem Licht zum Leuchten gebracht würde. 

    Am 18. November 1893, gut zwei Jahre nach der ersten wurde die zweite Diana auf die Spitze der Giralda des Madison Square Gardens gehievt. Und sie blieb länger dort oben, nämlich gut 30 Jahre bis zum Abriss des zweiten Madison Square Gardens im Jahr 1925. 


    Dabei gab es zwei Erscheinungsformen, eine mit Stola und eine ohne. Ich habe das bisher nirgendwo gefunden, wie die Reihenfolge war, aber ich gehe im Moment davon aus, dass die Diana, die 1893 auf dem Madison Square Garden aufgestellt wurde, mit der Stola geschmückt war. Das Foto oben nach Fertigstellung zeigt sie mit Stola und es macht mit Blick auf die gewünschte Wetterhahn-Funktion ja auch Sinn, sie so zu konstruieren, dass sie vom Wind bewegt wird, dafür wurde die Stola benötigt. 





     Madison Square Garden, from the collection of the museum of the city of New York 


    Irgendwann später ist der Kupferschal entfernt worden (oder vielleicht wegen Korrosion oder Sturm abgefallen?). Es existieren jedenfalls zahlreiche weitere Photos, auf denen nur noch die Statue, aber nicht die Stola zu sehen ist. Ob sie zu der Zeit weiterhin vom Wind bewegt wurde, kann ich nicht sagen.










    Wie man auf diesem Foto vom 15. Juli 1925 sieht, wurde mit dem zweiten Madison Square Garden ziemlich schnell kurzer Prozess gemacht. Von der riesigen Veranstaltungshalle und vom Turm sind bald nur noch Reste übrig:

    Madison Square Garden, looking north east, from the collection of the museum of the city of New York


    Die Diana-Statue von der Turmspitze kam dabei aber nicht unter die Räder, sie wurde vorher von der Turmspitze gehoben und sichergestellt. 

    from The Stanley Weston Archivehttp://www.gettyimages.de/license/640027774

    Die Statue landete zunächst in einem Depot, aber die Bemühungen, in den nächsten Jahren einen anderen Platz zu finden, auf dem sie in New York hätte aufgestellt werden können, erwiesen sich als vergeblich. 1932 schließlich machte die New York Life Insurance Company, die Erbauerin des Nachfolgegebäudes vom MSG II, die Statue dem Philadelphia Museum of Art zum Geschenk. 

    Dianas Wechsel von New York nach Philadelphia war dauerhaft, aber dafür ist Statue Nummer Zwei im Gegensatz zu Statue Nummer Eins bis heute erhalten geblieben. Sie schmückt immer noch die Große Halle des Philadelphia Museums of Art. 





    2013 erhielt Diana von den Restauratoren des Philadelphia Museums ein besonderes Geschenk. Die zwischenzeitlich 120 Jahre alte Statue war von dem dreißigjährigen Aufenthalt an der frischen Luft hoch oben über New York und den sich anschließenden 80 Jahren in der Museumshalle doch ein wenig mitgenommen, vom alten Kupfer- und Goldglanz war nichts mehr übriggeblieben. 

    Seither erstrahlt sie wieder so, wie sie einst aussah, als man sie als Blickfang auf dem Turm des Madison Square Gardens aufstellte: 







    Ganz hat Diana New York City aber dennoch nicht verlassen. Im Museum of Modern Art befindet sich noch eine weitere Version der Statue, die allerdings knapp 2 Meter hoch und damit nur halb so hoch wie das Original ist. 



    Und damit endet die Geschichte von der Göttin der Jagd, die einst auf dem zweithöchsten Gebäude in New York stand. 


    Wikis:


    BONUSTRACK:

    Für alle, die es interessiert, gibt es hier noch ein interessantes Video von der Restaurierung der Statue, das uns nochmal ganz nah an Diana und heranführt und sogar in die Statue hinein:






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    Steigen wir direkt mal tief ein in die Vergangenheit: wir befinden uns im Jahr 1876, der Photograph steht hier auf der Ostseite der Fifth Avenue unterhalb der 55th Street und blickt in nördliche Richtung. Links wird gerade die Fifth Avenue Presbyterian Church gebaut, aber um die geht es hier nicht. Interessant ist das Grundstück auf der Nordostseite der Kreuzung Fifth Avenue / 56th Street:



    Leider ist das Grundstück, auf das wir schauen, auf dem Photo verdeckt, es befindet sich zwischen dem Haus rechts im Vordergrund und dem gelb markierten Haus an der 57th Street im Hintergrund. Man kann noch nicht einmal nachvollziehen, ob es schon bebaut ist. 






    Leider ist das Grundstück an der Nordostecke 56th Street / 5th Avenue in der Vergangenheit eher selten photographiert worden, wohl, weil es relativ unspektakulär mit für Fifth Avenue-Verhältnisse "normalen" Wohnhäusern bebaut war. 

    Zum Glück hat sich 1905 mal jemand erbarmt und zwei Photos von diesem Teil der Straße aufgenommen. Der Blick fällt von Norden her die Fifth Avenue nach Süden hinter, Osten ist hier auf der linken Seite: 



    Am linken Bildrand sieht man die Bebauung der gesuchten Straßenecke, allerdings ist der Standpunkt de Photographen, der sicherlich eher die Gebäude im Hintergrund einfangen wollte, noch zu ungünstig. 



    Dieser Standort auf dem westlichen Bürgersteig der Fifth Avenue passt wesentlich besser, das Haus mit den zwei Giebeln am linken Bildrand steht auf besagter Nordostecke der Kreuzung.



    Wie immer bei Shorpy handelt es sich auch hier um eine hochauflösende Wiedergabe, in der man glatt verloren gehen könnte. Ich will nur zwei Details herausarbeiten, einmal die Ornamente im Dachbereich und einmal das frühe Automobil im Vordergrund mit dem Hauseingang im Hintergrund. 





    Auch auf der Karte aus dem Stadtatlas von Bromley vom Jahr 1916 ist das Haus an der Ecke weiterhin namenlos:




    Etwa zu Beginn der 1920er hat Arthur Vitols die Fifth Avenue abschnittsweise photographiert. Hier sehen wir die Ostseite zwischen 57th (links) und 56th Street (rechts):

    Byron Company, East Side of 5th Ave from 57th to 56th Street, ca. 1920, from the collection of the museum of the city of New York 


    Leider mag die Webseite des MCNY heute keinen Zoom ins Bild zulassen, weshalb ich die drei Häuser auf dem südlichen Teil des Straßenblocks nicht noch näher heranholen kann. 



    Eins ist aber nicht zu übersehen: seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind irgendwann die Erdgeschosse der Häuser in Ladenlokale umgewidmet worden. 

    Wir machen einen Sprung in den Mai des Jahres 1928 und schauen jetzt wieder vom Süden auf die Straßenecke auf der rechten Bildseite:



    In dieses Bild darf man freundlicherweise auch mal wieder hineinkriechen:



    Allerdings ist das quasi ein Abschiedsfoto gewesen, denn wenig später wurden die drei Häuser im Südteil des Blocks abgerissen, wie man auf dieser Aufnahme vom August 1928 erkennen kann:



    Innerhalb eines Jahres wurde hier ein Neubau errichtet und 1929 photographiert: das Gebäude von Stewart and Company:

    Wurts Bros, 56th Street and Fifth Avenue, Stewart and Company, 1929, from the collection of the museum of the city of New York


    Hier noch eine Detailaufnahme vom Eingangsbereich:

    Stewart and Company, 1929, from the collection of the museum of the city of New York


    Später im den 1930ern wurde das Gebäude von Bonwit Teller and Company übernommen, die seit 1895 mit ihrem Warenhaus in Manhattan immer wieder von Ort zu Ort weiterwechselten.

    1938 erhielt das Gebäude von der Ostseite her einen Anbau an der 56th Street:



    Wurts Bros, 7 East 56th Street, 1938, from the collection of the museum of the city of New York


    Die Schaufenster an der Straßenecke, 1940 photographiert:


    Wurts Bros, Bonwit Teller, Display Windows, 1940, from the collection of the museum of the city of New York


    Und das nun unter der Flagge von Bonwit Teller laufende Warenhaus photographiert 1945:

    Bonwit Teller, 1945, from the collection of the museum of the city of New York


    Der Eingang von Bonwit Teller in einigen Detailaufnahmen:







    Bonwit Teller, from the collection of the museum of the city of New York


    Und nun betreten wir das Bonwit Teller und schauen uns das Innere dieses New Yorker Kaufhauses, das wohl eher für Kunden mit gutgefüllten Geldbörsen gedacht war, während der 1930er an:

























    Im Dezember 1936 wurde kein geringerer als Salvador Dali engagiert, um die Schaufensterdekoration bei Bonwit Teller zu gestalten. Das Ergebnis war wie nicht anders zu erwarten recht surreal:







    Ob das auch einen posiven Effekt auf die Kauflust der New Yorker gehabt hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

    In welcher Liga Bonwit Teller gespielt hat, verrät dieses Photo, dass den neuen direkten Nachbarn nördlich mit der Hausnummer 727 Fifth Avenue zeigt: Das New Yorker Juweliergeschäft Tiffany zog 1940 dorthin um:

     727 Fifth Avenue, Tiffany, 1941, from the collection of the museum of the city of New York


    Zum Abschluss noch das Ende vom Lied. 1979 wurden das Gebäude von einem gewissen Donald Trump erworben und bald darauf abgerissen mit der Absicht, das erste Super-Luxus-Hochhaus der Stadt zu errichten. Dort entstand von 1979 bis 1983 der Trump Tower, 58 Stockwerke hoch und bis heute Wohnsitz seines inzwischen bekannteren Erbauers. Den Zweitwohnsitz in Washington D.C. während der Arbeitswoche übersehen wir mal großzügig, der ist ja auch im Vergleich eher schlicht und mickrig und deshalb nicht der Rede wert.









    Ich kann versichern, beim Trump Tower handelt es sich nicht um Fake News, ich habe das Teil schon mit meinen eigenen Augen gesehen und 1992 auch einen kurzen Aufenthalt im Inneren gewagt. 



    Wann es wieder an der Zeit sein wird, am Nordost-Eckgrundstück 56th Street / Fifth Avenue ein neues Gebäude zu errichten, kann heute noch keiner sagen. Lassen wir uns überraschen. Der derzeitige Platzhalter steht ja "erst" seit 34 Jahren, seinem Vorgänger waren immerhin 50 Jahre vergönnt. Vielleicht hat der letzte Bauherr ja noch eine klasse Idee, zum Beispiel, dort ein Super-Duper-Mega-Luxus-Highrise zu bauen, das fehlt ja schließlich noch in New York. Oder etwa nicht?






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  • 05/28/17--10:17: Dieses Wochenende bei NYHG


  • An diesem Wochenende wurden bei NYHG 
    zwei Beiträge veröffentlicht: 


    Statue of Diana

    North East Corner of Fifth Avenue and 56th Street



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  • 06/03/17--01:46: Lunch Wagon No. 8


  • Dieses Foto ist mir gestern aufgefallen, als ich mich auf meinen schlauen Telefon durch die Neueinträge auf Facebook geschubbert habe. Das ist einen kleinen Beitrag wert.

    STREET FOOD - das liest man ja in der letzten Zeit auch öfter und bis vor kurzem habe ich diesem Trend (?), Hype (?) recht kritisch gegenüber gestanden. Allerdings war ich vor zwei Wochen in Brighton in Großbritannien auf einem Musikfestival und dort waren ein paar Street Food Trucks, die mich mit dem, was da so über die Theke gereicht wurde, eines besseren belehrt haben. Echt gefährlicher Stoff. Unter anderem mit die besten Burger, die ich bisher essen durfte. Zum Niederknien!

    Und weil ich den ganzen Gaumenschmeichlern immer noch ein wenig hinterhertrauere, kam dieses Foto genau richtig, zeigt es doch offensichtlich einen historischen Street Food Truck. Oder - um mal bei der zeitgenössischen Bezeichnung zu bleiben: einen Lunch Wagon. 

    Leider kann man nicht erkennen, mit welchen Delikatessen hier gehandelt wird und wann das Foto aufgenommen wurde. Aus dem Kontext heraus war aber klar, dass es sich nicht um ein vollständiges Foto, sondern um einen Bildausschnitt aus einem größeren Foto handelt, eben das, was ich auch gerne schon mal in den hq-Aufnahmen bei Shorpy mache, auf Entdeckungsreise nach nebensächlichen Bilddetails gehen. Darauf deutet auch die Bildbeschreibung "a closer look at the truck" hin.


    Eine Kommentatorin hat zu dem Beitrag noch ein weiteres interessantes Foto veröffentlicht, dass dazu passend einen Lunch Waggon No. 9 zeigt. Es gab von den Teilen also offenbar eine ganze Armada, die alle relativ baugleich daherkommen:



    Jetzt ist es so, dass die Macher der Facebook-Seite "Postcards from old New York" in der Regel, keine Einzelfotos, sondern immer zusammenhängende Serien mehrerer Bilder zu einem Thema veröffentlichen. Und die Aufnahme vom "Lunch Wagon No. 8" erschien im Kontext mit einer Serie von historischen Bildern, die rund um den Union Square entstanden sind. Und dort vermute ich auch den Standort des bzw. der Lunch Wagons. 

    Ich bin also bei den zuvor veröffentlichten Bildern mal suchen gegangen und fündig geworden. Hier sehen wir eine Aufnahme des Union Squares, die ca. 1905 entstanden sein soll. Wir schauen also auf einen Verkäufer von Straßenessen vor mehr als 110 Jahren.



    Der Standort des Photographen ist vermutlich an der Südostecke des Union Squares, der Blick die Park Avenue hinauf. 

    google maps


    Auch auf dieser Aufnahme, die von einem etwas höher gelegenen Standort und ein paar Jahre zuvor ca. 1900 entstanden sein soll, sieht man den Lunch Waggon an bekannter Stelle:




    Ich bin selbst nochmal auf die Suche nach Aufnahmen vom Union Square gegangen. Hier haben wir ein Photo bei Shorpy, etwa 1910 entstanden:



    Und ganz rechts unten sieht man den Lunch Wagon im gewohnten Erscheinungsbild, auch wenn er zu großen Teilen vom Grünzeug verdeckt ist.



    Und auch auf dieser Postkarte von ca. 1910 ist der Lunch Wagon verewigt. 

    Union Square, ca. 1910, from the collection of the museum of the city of New York


    Leider habe ich es nicht geschafft, eine Übersicht über die angebotenen Speisen vom Lunch Wagon zu erhalten. Als Ersatz gibt es zum Abschluss zwei andere Food Trucks, die aber in etwa aus der gleichen Zeit stammen könnten und die zumindest eine Vorstellung von dem ermöglichen, was damals am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert so an Street Food (und Street Drinks) verkauft wurde:








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    Auch diese faszinierende und bald 150 Jahre alte Aufnahme habe ich in einer Facebook-Gruppe entdeckt (The Old New York Page), allerdings stammt sie im Original aus der Sammlung des Museums der Stadt New York. 



    Leider kann man / kann ich dort im Augenblick nicht in die Bilder hineinzoomen, entweder man hat da was umgestellt oder da wird gerade wieder im Hintergrund die Software verändert. Es wäre sicherlich interessant gewesen, in dieser Aufnahme noch ein wenig auf die Suche nach Details zu gehen. Schade!

    google maps


    Wir befinden uns am Broadway auf dem Abschnitt oberhalb des heutigen Times Squares, damals Longacre Square, und unterhalb des Central Parks. Es ist weder die Straßenseite genau bestimmt noch der Standort der Kreuzung, die sich am äußeren linken Bildrand andeutet, vermutlich ist es entweder die 53rd Street oder die 54th Street. 

    In einer Hinsicht beißt die Maus aber keinen Faden ab: aus dem eher kleinstädtischen Erscheinungsbild, das 1869 am Broadway herrschte, ist Großstadt pur geworden. Hier die Kreuzung Broadway / 53rd Street vom Süden her Richtung Norden aufgenommen:



    Nein, das helle Gebäude in der Mitte links ist nicht identisch mit dem auf dem historischen Foto links. Schön wär's....  Und hier haben wir die Kreuzung Broadway / 54th Street vom Norden her Richtung Süden aufgenommen:




    Ich habe noch eine Reihe von historischen Aufnahmen gewälzt, aber keine Abbildungen gefunden, die sich belastbar an die Photographie von 1869 anknüpfen lassen.



    Auch diese hier nicht, die aber vielleicht als einzige von einem jenseits des rechten Bildrands gelegen und 30 Jahre später aufgenommen die gleiche Straßenfront zeigt. Vielleicht aber auch nicht und der Wunsch ist nur Vater des Gedanken:

    George P. Hall, Broadway and 54th Street, ca. 1900, from the collection of the museum of the city of of New York




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    Vielleicht hat der eine oder andere den Film auch schon entdeckt, seit kurzer Zeit ist ein "neuer" Film aus dem historischen New York City verfügbar, der den Betrachter 106 Jahre zurück in die Vergangenheit reisen lässt. Mit recht gewöhnlichen Ansichten erfährt man dank der bewegten Bilder ein wenig mehr darüber, wie es damals im Sommer 1911 in New York so war. 

    Solche kleinen Fenster mit Blick in die Vergangenheit sind einfach unbezahlbar. Viel Spaß beim Anschauen!!! Und danke an "The Old New York Page" für den wertvollen Tipp! And THANK YOU to the one, who shared the clip in the WWW!







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  • 06/25/17--00:14: Wrapped Buildings


  • Ich habe das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude als nicht kunstinteressierter Mensch erst vor gut 20 Jahren wahrgenommen, als sie in Berlin den Reichstag verhüllt haben. Dabei waren sie zu der Zeit schon 30 Jahre aktiv. 

    Sie hatten bereits im September 1964 ihren Wohnsitz endgültig von Europa hinüber nach New York City verlagert. Im Jahr 1968 entstanden mehrere Zeichnungen und Collagen, die eingehüllte Gebäude in Manhattan zeigten, darunter das One Times Square. Und das bietet für und wiederum die Möglichkeit, in eine fiktive Vergangenheit von New York zurückzureisen und uns ein Ereignis anzusehen, das gar nicht stattgefunden hat. 





    Und bereits 1964 spukte die Idee in den Köpfen, im Süden von Manhattan Gebäude zu verhüllen, wie dieses Bilddokument hier zeigt:



    Bei den Collagen ist es zunächst mal geblieben, ich denke weil das Künstlerehepaar damals weder über Beziehungen noch über Mengen von Geld verfügt hat, die die Realisierung solcher Projekte zugelassen hätte. 

    Im frühen 21. Jahrhundert konnten sich Christo und Jeanne-Claude dann aber doch noch mit einem Projekt in der Stadtgeschichte von New York verewigen, als im Februar 2005 die Wege des Central Parks mit Toren geschmückt wurden ("The Gates").





    Links:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Christo_und_Jeanne-Claude#.E2.80.9EVerh.C3.BCllter_Reichstag.E2.80.9C
    http://christojeanneclaude.net/projects/wrapped-buildings-new-york-city
    http://christojeanneclaude.net/mobile/projects?p=the-gates







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  • 06/25/17--01:14: The Brennan Farmhouse (1879)


  • Auf der Facebook-Seite "The Old New York Page" habe ich in der vergangenen Woche diese fantastische alte Fotografie entdeckt, die 1879 entstanden ist und das Bauernhaus der Familie Brennan an der Ecke 84th Street und Broadway in Manhattan zeigt. 

    Eine schöne Erinnerung an jene Zeit, als die Insel Manhattan noch nicht komplett mit Stadt überzogen, sondern vor allem im Norden das Erscheinungsbild noch eher ländlich war. 

    google maps


    Der Entstehungsort des Photos liegt westlich vom Central Park und etwa auf Höhe seiner Mitte. Das Viertel trägt heute den Namen "Upper West Side".

    Ich habe mal auf der passenden Seite des Bromley-Stadtatlas von 1879 nachgeschlagen, um zu schauen, ob an dieser Kreuzung tatsächlich ein Haus eingezeichnet worden ist. Achtung, die Karte ist nicht wie gewohnt eingenordet, der Norden liegt hier auf der rechten Seite. 





    Die Straßenbezeichnungen weichen hier noch etwas von den heute gewohnten ab, dieser Abschnitt des Broadway trägt 1879 auf der Karte den Namen "Bloomingdale Boulevard", dafür heißt die heutige "West End Avenue" noch schlicht 11th Avenue und die heutige "Amsterdam Avenue" noch 10th Avenue.

    Sollte das Brennan Farmhouse tatsächlich jenes markierte an der Ostseite des Broadways an der Front zwischen 84th und 83rd Street sein, dann wäre ein Vergleich zwischen einst und jetzt möglich:





    Ob die Ortsangabe aber wirklich zutrifft, kann ich nicht zu 100 Prozent bestätigen, da der Standort der Farm je nach Quelle auch schon mal unterschiedlich ausfällt. 

    Das Brennan Farmhouse ist zwar schon lange verschwunden, aber einigen New Yorkern noch in Erinnerung geblieben, weil sich mit ihm ein anderer Name verbindet, der immer mal wieder die Stadtgeschichte von New York gekreuzt hat: Edgar Allan Poe




    Der berühmte amerikanische Schriftsteller soll 1844 im Brennan Farmhouse einige Zimmer angemietet haben, als sich der Gesundheitszustand seiner tuberkulosekranken Ehefrau in der Stadtluft verschlechtert hatte und ihm seitens der Ärzte dringend empfohlen wurde, aufs Land hinauszuziehen. 

    Hier soll das berühmte Gedicht "Der Rabe" entstanden sein. Später rückte Poe noch weiter von der Stadt ab und wechselte hinüber nach Fordham in der Bronx. 

    Vom Brennan Farmhouse gibt es neben der Photographie von 1879 noch weitere Abbildungen, die ich nicht vorenthalten möchte: 





    Links: 
    https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Allan_Poe
    http://blog.insidetheapple.net/2015/08/postcard-thursday-lost-brennan.html
    http://www.manhattanpast.com/2014/edgar-allan-poe-street/
    http://www.joannerendell.com/?page_id=229
    https://www.walksofnewyork.com/blog/edgar-allan-poe-in-new-york



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    Bilder vom Wolkenkratzerbau in New York haben wir ja schon viele gesehen, aber ich persönlich freue mich immer wieder, wenn ich mal welche finde, die nicht vom Bau des Empire State Buildings stammen, die ja doch etwas inflationier vorhanden sind.

    Das Exemplar oben, das ich ebenfalls auf der Facebook-Seite "The Old New York Page" entdeckt habe, wurde am 12. Juni 1908 aufgenommen und stammt vom Bau des Metropolitan Life Towers, der von 1909 bis 1913 das höchste Gebäude in New York und auf der Welt werden sollte.

    Ich vermute, dass der Blick hinter der Baustelle in Richtung Süden zeigt, da man weder vom nahegelegenen Madison Square Park, noch vom Flatiron Building oder vom Madison Square Garden etwas erkennen kann, die aber sichtbar sein müssten, wenn der Blick gen Westen oder Norden gerichtet wäre.

    Die Bildersammlung bei Getty Images enthält noch weitere Aufnahmen vom Bau des Metropolitan Life Towers, die das Foto oben prima ergänzen:














    Weitere Beiträge zum Metropolitan Life Tower findest Du hier:
    http://nygeschichterucksack.blogspot.de/2013/03/metropolitan-life-insurance-building.html



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  • 06/25/17--05:37: 48 Wall Street Eagle
  • google street view


    Es ist zwar schon ein gutes halbes Jahr her, dass ich ein kleines Leserrätsel veröffentlicht habe, das sich um die geflügelte Statue da oben auf dem Gebäude drehte, aber vielleicht war der eine oder andere schon im letzten Dezember mit dabei und kann sich erinnern. 

    Hier ist nochmal das Rätsel....

    ...und hier die Auflösung:


    Einer konnte sich auf jeden Fall noch erinnern. Dirk Stichweh, der Autor des Buches "New York Skyscrapers", kann auch nach Veröffentlichung der Neuauflage nicht von den Hochhäusern lassen. Vor einigen Wochen war er wieder in New York City und hat erneut den einen oder anderen Wolkenkratzer bestiegen. 

    Darunter war auch jener an der Adresse 20 Exchange Place im Financial District in Südmanhattan und von dem aus hat man eine ungestörte Aussicht auf das nicht weit entfernt stehende Hochhaus an der Adresse 49 Wall Street, dessen Spitze wiederum mit der rätselhaften Flügelfigur geschmückt ist.

    google earth



    Wie gesagt, als er da oben auf 20 Exchange Place stand und so in die Runde schaute, fiel ihm beim Anblick der Adler-Statue auf dem 48 Wall Street wieder mein Beitrag vom Dezember ein und da hat er nochmal eine schöne aktuelle Aufnahme von dem Federviech geschossen. Vielen Dank Dirk :-)


    photo by Dirk Stichweh







    Wer gerne mal einen Blick in Dirks Buch werfen möchte, kann das hier bei einem bekannten internationalen Buchhändler tun: